SEELENLOS – Wenn Licht und Dunkelheit aufeinandertreffen
(Bitte beachtet, dass die hier enthaltenen Leseproben auf der Website anders dargestellt werden, als in den Büchern!)
Neun Bände. Zwei Mächte. Und unzählige Schicksale dazwischen.
Licht gegen Dunkelheit. Gut gegen Böse. Klingt nach einer klassischen Fantasygeschichte? Nun ja … nicht ganz! 😉
Natürlich bildet der ewige Kampf zwischen den Mächten des Lichts und der Finsternis den roten Faden meiner neunteiligen Fantasyreihe SEELENLOS.
Doch während sich Engel, Elfen, Dämonen und andere außergewöhnliche Wesen mit ihrem Schicksal herumschlagen, spielt sich das eigentlich Spannende oft ganz woanders ab: in ihren Freundschaften, ihrer Liebe, ihren Geheimnissen und all den kleinen und großen Katastrophen, die das Zusammenleben so herrlich kompliziert machen.
Denn selbst unsterbliche Wesen sind vor sehr menschlichen Problemen nicht gefeit. Und manchmal ist ein gebrochenes Herz gefährlicher als das schärfste Schwert.
Willkommen in einer Welt, in der nicht alles Licht gut und nicht jede Dunkelheit böse ist.
Viel Vergnügen beim Entdecken, Eure Leandra Low.
Neun Bücher, unzählige Geschichten – und möglichst wenig Spoiler!
Wie fasst man rund 400 Seiten voller Abenteuer, Intrigen, Gefühle und überraschender Wendungen in ein paar Sätzen zusammen, ohne gleich die halbe Handlung zu verraten? Gar nicht so einfach, glaubt mir! 😂
Trotzdem habe ich es gewagt und für jeden Band eine kleine Inhaltsübersicht zusammengestellt. Dabei konzentriere ich mich bewusst auf die wichtigsten Ereignisse. Die vielen Nebenhandlungen, überraschenden Begegnungen und Geheimnisse dürfen schließlich erst beim Lesen entdeckt werden. Also, blättert euch durch die einzelnen Bände und lasst euch neugierig machen!
Aber Vorsicht: Wer einmal in die Welt von SEELENLOS eintaucht, findet vielleicht nicht so schnell wieder hinaus.😉
BAND 01 DIE ENGELSSUCHE:
Eine rätselhafte Prophezeiung. Ein Krieg, der zwei Welten bedroht. Und ein Elfenkaiser, dessen Entscheidungen über das Schicksal vieler bestimmen werden.
Albian van DeBeladore, Kaiser des Elfenvolkes auf dem Planeten Altania, steht vor einer gewaltigen Herausforderung. Um den Frieden seines Volkes zu bewahren, muss er eine folgenschwere Prophezeiung erfüllen: Eine noch zu erwählende Frau soll ihm einen Sohn schenken, der ohne Seele geboren wird. Doch welche Bedeutung dieses Kind für die Zukunft haben wird, bleibt zunächst ein Geheimnis. Gleichzeitig wächst die Bedrohung durch die Dämonen, deren finstere Pläne nicht nur Altania, sondern auch die Erde gefährden. Um ihnen entgegenzutreten, begibt sich Albian auf eine außergewöhnliche Mission: Er will durch die verschiedenen Epochen der Menschheitsgeschichte reisen und jene Krieger finden, die eines Tages als Engel an seiner Seite kämpfen sollen. Doch dafür benötigt er einen mächtigen Dimensionenschlüssel – und ausgerechnet seine Feinde sind im Besitz dieses kostbaren Artefakts. Als ihm eine geheimnisvolle Halbvampirin ihre Hilfe anbietet, scheint die Lösung zum Greifen nah. Allerdings hat ihre Unterstützung einen Preis … Während Albian versucht, die Weichen für die Zukunft zu stellen, rüsten sich seine Gegner längst für einen Krieg, dessen Ausmaß noch niemand erahnt. Zumal das größte Schicksal oftmals mit einer einzigen Entscheidung beginnt …
LESEPROBE AUS BAND EINS - SEELENLOS - DIE ENGELSSUCHE:
PROLOG!
DEUTSCHLAND: JUNI 2006
Die Schlange an der Supermarktkasse schob sich nervig langsam voran und ließ einige der wartenden Personen lustlos aufstöhnen.
Die 41-jährige Eleonora Delmarco nutzte diesen geschenkten Moment und kramte in ihrer Handtasche nach dem Lippenbalsam, als ihr ein schmaler, silbrig schimmernder Briefumschlag in die Hände fiel, welcher sich eigenartig warm anfühlte.
Verwirrt riss Eleonora den Umschlag auf. Sie zog eine blütenweiße Karte hervor, auf der in einer schön geschwungenen, spinnwebdünnen Schrift nur ein Satz stand, der jedoch Eleonora augenblicklich vor Angst die Kehle zuschnürte.
»BRING IHN FORT! SIE KOMMEN!«
Ohne weiter auf das Unverständnis ihres Umfeldes zu achten, ließ Eleonora ihren Einkaufswagen stehen, schnappte sich lediglich ihre Handtasche und verließ fluchtartig das Einkaufszentrum. Sie hetzte zu ihrem Wagen, der auf dem weitläufigen Parkplatz stand, und stieg eilig ein. Im Laufen zog sie zuvor noch ihren Mantel aus und warf diesen nach dem Einsteigen zusammen mit ihrer Tasche achtlos auf den Beifahrersitz.
»Hallo Mamilein, wohin so eilig?«, fragte eine spöttische, dunkle Stimme.
Erschrocken schrie Eleonora auf und fuhr herum. Auf der Rückbank lümmelte sich ein auffällig gekleideter Mann und stieß den bläulichen Qualm einer Zigarette aus.
»Wer … wer sind Sie?«, stieß Eleonora hervor, obwohl sie es bereits ahnte.
Geheimnisvolle Augen, die in leuchtenden Grüntönen funkelten, checkten sie betont gelangweilt ab.
»Mamileinchen, du enttäuscht mich!« Er setzte sich auf und umschlang mit seinen muskulösen Armen den Beifahrersitz. Dabei gruben sich lange, krallenartig zurechtgefeilte Fingernägel, die aussahen, als seien sie dunkelgrün lackiert worden, in die Sitzpolster.
»Du weißt ganz genau, wer ich bin und vor allem, was ich will.«
Sein Lächeln war eiskalt, seine Stimme jedoch sanft. Trotzdem überkam Eleonora eine wachsame Gänsehaut.
»N… nein, w… wirklich nicht. Ich habe keine Ahnung was Sie von mir wollen«, brachte sie mit zittriger Stimme hervor.
Blitzschnell legten sich die Hände des Fremden, die eben noch den Beifahrersitz umklammerten, um ihren Hals. Sie zuckte zusammen, als sich sein Daumennagel schmerzhaft in ihre Haut bohrte. Spürte dabei, wie ein einzelner Tropfen Blut warm ihre Kehle herabrann.
»Wo ist deine Brut?«, zischte der Fremde dicht an ihrem Ohr.
»Du wirst mich jetzt zu dem kleinen Bastard bringen, oder du machst gleich deinen letzten Atemzug, Schlampe!«
Eleonora nickte mechanisch und versuchte verzweifelt ihre aufsteigende Panik unter Kontrolle zu bringen.
Die schlanken Hände verschwanden. Der unheimliche Fremde kletterte durch den Zwischenraum der Vordersitze nach vorne auf den Beifahrersitz, nachdem er ihre Sachen mit einem Tritt in den Fußraum befördert hatte.
Er schüttelte seine leuchtend rote Mähne in den Nacken und grinste sie an: »Na, dann, worauf wartest du noch? Brauchst du eine Extraeinladung? Fahr endlich los«, forderte er.
Er machte es sich bequem, indem er eines seiner langen, wohlgeformten Beine, die in hautengem, rotem Leder steckten, ausstreckte und sich mit dem Hacken des anderen Beins lässig gegen das Armaturenbrett abstützte.
Eleonoras Gedanken arbeiteten fieberhaft, während sie das Auto durch den dichten Stadtverkehr lenkte. Sie durfte nicht zulassen, dass dieser Typ, wer immer er auch war, Galimar in die Finger bekam. Sie erinnerte sich sofort wieder an Andrés Worte in der Nacht vor seinem mysteriösen Unfall. So, als sei es erst gestern gewesen. …
DAMALS …
Sie hatten sich gerade geliebt.
Elenora lag zufrieden neben André und hatte sich wie eine träge Katze an seine Brust gekuschelt.
Er strich zärtlich über ihren Rücken, tief in Gedanken versunken.
»Woran denkst du Liebster?«, fragte sie, während ihre Finger mit einer seiner rabenschwarzen Haarsträhnen spielten.
»Es geht um unseren Sohn«, antwortete er.
»Du musst mir etwas versprechen!«
Sein ernster Tonfall ließ Eleonora aufhorchen. Sie richtete sich auf und blickte ihn abwartend an.
»Irgendwann einmal, wenn Galimar älter ist, werden vermutlich ein paar Typen auftauchen. Bei denen wirst du großteils das Gefühl haben, sie seien einem Fotomodellkatalog entstiegen. Aber bitte lass dich nicht von einem perfekten Äußeren oder gar freundlichen, kultivierten Benehmen täuschen, denn sie sind unheimlich gefährlich und würden über Leichen gehen. Sieh daher zu, dass du dich … und vor allem Galimar vor ihnen in Sicherheit bringst, denn ich werde dann nicht mehr bei euch sein.«
»Aber Liebster, wovon sprichst du da? Du machst mir Angst. Was sind das für Männer und warum wollen sie uns etwas antun? Und überhaupt, warum willst du uns verlassen? Ich meine …«
Er schnitt ihr das Wort ab, indem er sanft einen Finger auf ihre Lippen legte.
»Von Wollen kann keine Rede sein, mein Herz. Glaube mir, ich würde euch niemals freiwillig verlassen. Ich spreche davon, dass ich dann nicht mehr auf dieser Welt weilen werde. Aber sollte es wirklich soweit kommen, dann hab keine Angst, denn ich werde immer über dich und unseren Sohn wachen.«
Eleonora war verwirrt über sein eigenartiges Benehmen und tausend Fragen schossen ihr durch den Kopf. Aber sie spürte, dass André nicht weiter über dieses Thema reden wollte. Daher nahm sie sich vor, es vorerst dabei zu belassen, ihn jedoch gleich am nächsten Tag noch einmal darauf anzusprechen.
André spürte die Beunruhigung seiner Freundin, aber er konnte ihr einfach nicht die Wahrheit sagen, denn sie würde ihm derzeit nicht glauben. Und er konnte ihr dies nicht einmal verübeln.
Es tat ihm in der Seele weh, ihr bei ihrem baldigen Schmerz nicht beistehen zu können. Daher klammerte er sich wie ein Ertrinkender an sie und versuchte ihre Sorgen mit seiner Leidenschaft zu schmälern.
Sie schliefen erneut miteinander und André war derart liebevoll, als wolle er sich so von seiner Liebsten verabschieden.
Am nächsten Tag war er schon sehr früh aufgestanden, als Eleonora noch schlief. Er hatte ihr einen sanften Kuss auf die Stirn gehaucht und einige Worte gemurmelt, bei denen ein sanftes Leuchten kurz die schlafende Gestalt seiner Lebensgefährtin umschmeichelte.
Dann war André in das Zimmer seines kleinen Sohnes gegangen.
Der knapp vierjährige Galimar schlummerte tief und fest, als sein Vater an sein Bett trat und ihm das dunkelrote Haar, welches ihm seine Mutter vererbt hatte, aus der Stirn strich und die gleichen Worte murmelte, die er zuvor schon an seine Freundin gerichtet hatte.
Dabei rollten ihm Tränen über die Wangen.
Er blinzelte sie weg, bevor er mit einer sanften, melodischen Stimme, die Eleonora in dieser Form niemals zu hören bekommen hatte, Worte in einer uralten Sprache sprach, welche ebenfalls von ihr nie zuvor vernommen worden war.
»Sylania Delwarna! Uro balanja in falanas lu ALTANIA! Ino Jalimara du, Galimar.«
Dann wandte er sich ab und verließ das Zimmer.
Nur knapp vier Stunden später überbrachte man Eleonora Delmarco die Nachricht, dass ihr Lebensgefährte André Beldore auf dem Weg zur Arbeit bei einem Autounfall ums Leben gekommen sei.
Eleonora war einem Zusammenbruch nahe gewesen.
Ohne André erschien ihr das Leben sinnlos und sie wäre ihm am liebsten gefolgt, wenn da nicht Galimar gewesen wäre. Nur der Gedanke an ihn und die Angst davor, was aus ihm werden könnte, wenn sie ihn ebenfalls verließ, gab ihr den Willen weiterzumachen.
HEUTE …
Inzwischen hatten Eleonora und ihr geheimnisvoller Begleiter die Autobahn erreicht. Noch immer wusste die besorgte Mutter nicht so recht, was sie tun sollte. Ihre innere Stimme sagte ihr, dass der Fremde neben ihr nichts Gutes im Schilde führte. Eine wahre Aura des Bösen umgab ihn. Und egal wie sehr ihr gesunder Menschenverstand auch dagegen anzukämpfen versuchte, so wusste Eleonora doch insgeheim, dass der Unbekannte nicht von dieser Welt zu sein schien. Aber was zur Hölle war er? Und vor allem, warum wollte er ihren Sohn?
Insgeheim verfluchte sie André, dass er ihr außer vagen Andeutungen und Warnungen nichts Konkreteres gesagt hatte, bevor er starb. Gleichzeitig schämte sie sich für diesen Gedanken. Bestimmt hätte er mehr gesagt, wenn er noch die Möglichkeit dazu gehabt hätte.
»Was … was wollen Sie von meinem Kind?«, wagte sie es daher den Fremden anzusprechen. Wobei sie kaum zu atmen wagte, wegen des betörenden Duftes den er verströmte, der sie jedoch im Anbetracht der Situation eher abstieß.
»Nichts, was du noch ändern könntest! … Ist es eigentlich ein Junge oder ein Mädchen? … Ich hoffe ja auf einen Jungen. Weiber bringen nur Ärger«, war die wenig befriedigende Antwort, wobei sich bei deren ironischen Klang Eleonora die Nackenhaare sträubten.
»Warum wollen Sie das wissen?« Sie hasste ihre zittrige Stimme, aber sie musste wissen, was er vorhatte.
»Frag nicht soviel! Sieh lieber zu, dass wir bald da sind. – Übrigens, dein Göttergatte war echt clever, dass er dich so manipuliert hat, dass man deine Gedanken nicht lesen kann. Hat uns ganz schön Zeit gekostet dich aufzuspüren. Aber letztendlich hat es ja doch nix genutzt, sonst wäre ich jetzt nicht hier. Nicht wahr, … Püppi ?«
»Ich will wissen, was Sie von meinem Kind wollen«, beharrte Eleonora mit fester Stimme, seine Frage ignorierend. »Wollen Sie ihm etwas antun?«
Der Fremde lachte. Aber es war kein angenehmes Lachen. Es klang kalt und herzlos.
»Wollen Sie ihm etwas antun?«, äffte er sie mit verstellter Stimme nach.
»Oh, ihr Menschen seid so jämmerlich! – Nein, ich will mit dem Balg Backe, backe Kuchen spielen, du blöde Gans. – Natürlich tue ich ihm etwas an. Oder denkst du etwa, ich bin ein lieber Onkel, tätschle ihm das Köpfchen und sing es dann in den Schlaf?«
Dann beugte er sich ihr seitlich zu und zischte leise, aber voll unterdrücktem Zorn: »Hör mir jetzt genau zu, du Erdenfotze. Entweder du hörst jetzt auf, mir blöde Fragen zu stellen und bringst mich zu deinem Welpen, oder ich schlitz dich vom Scheitel bis zur Sohle auf. Ich finde den kleinen Bastard auch ohne deine Hilfe. Ob du das nun willst oder nicht. Also tu uns beiden einen Gefallen und zögere das Unvermeidliche nicht noch länger heraus. Desto schneller und schmerzloser ist dein eigener Tod.«
Eleonora verstummte, aber ihr Verstand arbeitete fieberhaft.
Was konnte sie tun?
Dieser fremde Dreckskerl durfte Galimar nicht in die Finger bekommen. Vielleicht würde er ihn nicht töten, aber irgend etwas Furchtbares würde er ihm antun. Dessen war sie sich sicher und das musste sie auf jeden Fall verhindern.
Um Zeit zu schinden, war sie kreuz und quer gefahren, nun hatte sie einen Entschluss gefasst. Ihr Leben war ohnehin keinen Pfifferling mehr wert, wenn der Kerl erst hatte, was er wollte. Das hatte er ihr ja mehr oder weniger gerade angekündigt.
Aber sie würde dafür sorgen, dass er Galimar nicht bekam. Und dafür musste sie diesen Mann vorher ausschalten.
Egal wie.
Sie trat daher kräftig das Gaspedal durch und der dunkelrote BMW schoss im halsbrecherischen Tempo über die endlos erscheinende Straße.
Ihr rothaariger Mitfahrer wandte ihr verwundert den Kopf zu.
»Hey, was hast du vor?«, knurrte er ungehalten, aber sie antwortete nicht.
Mittlerweile hatte der Wagen seine Höchstleistung erreicht und Eleonora erblickte vor sich einen riesigen Tanklastzug, auf den sie nun zuhielt.
»Du Scheißkerl bekommst mein Kind nicht!«, schrie sie noch, bevor der BMW in den Tanker raste und mit einem ohrenbetäubenden Knall explodierte.
ZEITGLEICH …
Im gleichen Moment, wo das Auto in seine Bestandteile zerlegt wurde, schrak der 15-jährige Galimar hoch.
Eben noch hatte er versucht, den Ausführungen seines Lehrers aufmerksam zuzuhören. Nun überkam ihn mit einem Schlag eine derartige Leere und eiskalte Angst, die ihn innerlich förmlich zerriss.
Was war bloß los mit ihm?
Er meldete sich, während er versuchte die brennende Übelkeit herunter zu kämpfen.
»Ja, Galimar, was ist mit dir? Geht es dir nicht gut?« Lehrer Ulf Range bemerkte, dass irgendetwas seinen Schüler beunruhigte, denn dieser war blass um die Nase.
»Darf ich bitte kurz hinaus an die frische Luft?« Galimars Stimme, wie immer sanft und angenehm wohlklingend, konnte nicht über seine innere Unruhe hinwegtäuschen.
»Sicher doch, geh ruhig. Soll dich jemand begleiten?«
Galimar schüttelte den Kopf, während er hastig das Klassenzimmer verließ. Nachdenklich blickte der Lehrer dem davoneilenden Jungen hinterher und fragte sich, was diesen so aus der Fassung gebracht haben konnte.
***
Geschockt berichtete ein Augenzeuge des Unfalls später der Polizei, dass der rote Wagen direkt Kurs auf den Tanker genommen hätte.
»Wissen Sie, dieser Typ in dem Wagen, der ist einfach mitten aus den Flammen heraus gestiegen. Hingegen die Fahrerin … jedenfalls glaube ich das es eine Frau war … die hat’s gleich erwischt. Aber dieser rothaarige Kerl. … Der sah echt merkwürdig aus, wie `n Punker, oder so … Na, ja, eher wie so ein durchgeknallter Rockstar. Jedenfalls ist der seelenruhig da rausgeklettert und gegangen. Einfach so!«
Der Polizist, der das Protokoll aufgenommen hatte, winkte einen Sanitäter herbei und raunte ihm zu, dass der Augenzeuge vermutlich einen schweren Schock erlitten habe, da er wirres Zeug von sich gab.
***
In sicherer Entfernung zur Unfallstelle, verborgen von dichtem Buschwerk, stand der attraktive Rothaarige mit den smaragdgrünen Augen. Er beobachtete zwar lächelnd, aber auch verärgert die Szene, die sich ihm da bot.
»Dieses verblödete Menschenweib hätte, dank ihres Stechers, wissen müssen, dass man einen Dämon auf natürliche Weise nicht töten kann«, raunte er leise. Dann steckte er sich in aller Seelenruhe eine erneute Zigarette an und machte sich auf den Weg, um denjenigen zu finden, wegen dem er gekommen war. …
BAND 02 ZEITREISEN:
Albians Suche nach zukünftigen Engelkriegern trägt erste Früchte. Doch der geheimnisvolle Zeitschlüssel hält eine unangenehme Überraschung bereit: Er spürt nicht nur Anwärter für die Seite des Lichts auf, sondern auch mächtige Verbündete der Dunkelheit.
Während Albian und seine Begleiterin durch die Epochen der Menschheitsgeschichte reisen, verfolgt ein Feuerdämon längst sein Ziel: das Kind der Prophezeiung zu finden, dessen Schicksal über den Ausgang des bevorstehenden Krieges entscheiden könnte.
Und plötzlich wird aus der Suche nach Verbündeten ein gefährlicher Wettlauf zwischen Licht und Dunkelheit …
BAND 03 DIE RÜCKKEHR:
Albians Suche nach den zukünftigen Engelkriegern ist erfolgreich – doch zwei persönliche Schicksalsschläge überschatten seine Heimkehr.
Kaum zurück auf Altania, muss sich der Elfenkaiser bereits seiner nächsten Aufgabe stellen: Er soll in der Welt der Menschen ein Kind zeugen, dessen Seele eines Tages mit dem Körper seines seelenlos geborenen Elfensohnes verschmelzen wird.
Aus dieser ungewöhnlichen Verbindung soll der dreizehnte Krieger hervorgehen. Doch anders als die übrigen Kämpfer wird dieser selbst entscheiden müssen, welcher Seite er seine Treue schenkt.
Dem Licht oder der Dunkelheit?
Und damit könnte ausgerechnet Albians eigener Sohn das Schicksal beider Welten besiegeln …
BAND 04 DÄMONISCHE SPIELE:
Das Kind der Prophezeiung lebt ahnungslos unter den Menschen – und weiß nicht, dass ihm die Dämonen bereits gefährlich nahe gekommen sind.
Während seine Verfolger einer heißen Spur nachgehen, finden sie auch ihren letzten noch fehlenden Krieger. Dessen geheimnisvolles Blutopfer löst auf Altania im Hort der Engel unerwartete Ereignisse aus: Gefühle geraten außer Kontrolle, verborgene Zusammenhänge kommen ans Licht und so manches Herz schlägt plötzlich schneller.
Auch die Elfe Mylandra steht vor einer schicksalhaften Wendung. Sie erfährt die Wahrheit über ihre Herkunft – und verliebt sich ausgerechnet in einen Mann, der für sie unerreichbar scheint.
Während die Dämonen ihre Fäden ziehen, geraten nicht nur die Pläne der Engel, sondern auch ihre Herzen gehörig durcheinander …
BAND 05 FLUCHT INS UNGEWISSE:
Während das Opfer des letzten Dämonenkriegers endlich seine große Liebe findet, scheint auch für Mylandra ein lang gehegter Traum in Erfüllung zu gehen. Doch das erhoffte Glück erweist sich als trügerisch – und aus einem wunderschönen Traum könnte erschreckend schnell ein Albtraum werden.
Unterdessen macht sich Albians Menschensohn auf die Suche nach seinem Vater. Doch statt Antworten zu finden, gerät er ausgerechnet in die Fänge seiner Feinde.
Unerwarteten Schutz erhält er von einem Krieger der Dunkelheit, der in dem Jungen mehr zu erkennen scheint als seine Gefährten. Doch um zu überleben, muss sich Galimar auf eine folgenschwere Vereinbarung einlassen.
Eine Vereinbarung, die sein Leben für immer verändern wird …
BAND 06 DER VERLORENE SOHN:
Zwischen Albians Menschensohn und seinem dämonischen Beschützer entwickelt sich eine ebenso leidenschaftliche wie widersprüchliche Verbindung. Doch was die beiden zunehmend aneinander bindet, stößt bei den Gefährten des Dämons auf wenig Gegenliebe.
Während die Spannungen wachsen und die Fronten sich verhärten, steuern die Ereignisse unaufhaltsam auf eine Katastrophe zu.
Und als schließlich eine erschütternde Wahrheit ans Licht kommt, ist nichts mehr, wie es einmal war …
BAND 07 BRÜDER DES LICHTS:
Nach langen Jahren der Trennung kann Elfenkaiser Albian endlich seinen Menschensohn in die Arme schließen. Doch die Freude über das Wiedersehen wird von der Sorge um dessen Sicherheit überschattet.
Ein Engel erhält den Auftrag, den jungen Mann zu beschützen. Doch diese Aufgabe erweist sich als weitaus schwieriger als erwartet.
Während Intrigen, Missverständnisse und Verrat die Gemeinschaft zunehmend erschüttern, braut sich eine Katastrophe zusammen, auf die niemand vorbereitet ist.
Denn die größte Gefahr geht nicht immer von Feinden aus, sondern von jenen, denen man vertraut …
BAND 08 EMOTIONEN:
Auf Altania bereiten sich die Völker auf die unausweichliche Schlacht zwischen Licht und Dunkelheit vor. Doch während sich die feindlichen Heere formieren, werden die erbittertsten Kämpfe ganz woanders ausgetragen: in den Herzen der Beteiligten.
Alte Gefühle erwachen, neue Leidenschaften entflammen und längst überwunden geglaubte Konflikte brechen erneut auf. Dabei geraten nicht nur Freundschaften und Beziehungen, sondern auch so manche Loyalität ins Wanken.
Für manche ist es anscheinend leichter, einem Feind gegenüberzutreten, als den eigenen Gefühlen …
BAND 09 KÄMPFENDE HERZEN:
Neun Bände voller Liebe, Intrigen, Hoffnung und Verrat führen schließlich zu jener Entscheidung, auf die alles hinausläuft: der letzten großen Schlacht zwischen Licht und Dunkelheit.
Doch während sich die Gegner zum alles entscheidenden Kampf gegenüberstehen, werden nicht nur Waffen, sondern auch Herzen auf eine harte Probe gestellt. Und eines ist gewiss: Nicht jeder wird diesen Krieg überleben.
Wird das Licht über die Dunkelheit triumphieren? Oder fordert der Kampf am Ende einen so hohen Preis, dass es überhaupt keine Sieger mehr gibt?
Nun … das müsst ihr schon selbst herausfinden! 😉
DIE FOREVER YOURS, RICK - REIHE!
Forever yours, Rick - Band 01 - »Maskenspiel!«
Ricardo, von allen nur Rick genannt, ist laut, rebellisch und selten um einen frechen Spruch verlegen. Kim dagegen gehört zu den Menschen, die lieber beobachten, statt sich in den Mittelpunkt zu drängen. Zwei völlig unterschiedliche Charaktere, die dennoch mehr verbindet, als sie zunächst ahnen.
Zwischen Rockmusik, einer eingeschworenen Freundesclique und jeder Menge Gefühlschaos entwickelt sich eine Geschichte über erste Liebe, Freundschaft und das schwierige Spiel mit der Wahrheit.
Doch hinter Ricks selbstbewusster Fassade verbergen sich Geheimnisse, die alles verändern könnten.
Zumal es beizeiten mehr Mut erfordert, seine Maske fallen zu lassen, als gegen die ganze Welt zu rebellieren …
LESEPROBE BAND 01. Auszug aus dem Kapitel: »Welche Prinzessin hat den Frosch geküsst?«
... Plötzlich rauschte ein auffallend hübscher Typ mit schwungvollem Gang an ihnen vorbei.
Der nahm Kims Aufmerksamkeit kurze Zeit in Anspruch, wie jeder attraktive Kerl, dem man, beziehungsweise Frau, so manches Mal begegnete. Sie wandte sich jedoch wieder Olaf zu und bemerkte, dass er ebenfalls in die Richtung des Schönlings sah.
Im darauffolgenden Moment erstarrte sie förmlich, denn er rief: »Hey Rick, hier bin ich, du Blindfisch! Komm herüber und sieh, wen ich zufällig getroffen habe!«
›RICK? DER! – Das soll der kleine, pummelige Ricardo sein? Niemals! Der sieht doch aus wie ein Modell.‹
Kim wurde heiß und kalt zugleich, zumal der Typ lässig auf sie zusteuerte.
Sie kam nicht umhin, ihn ungläubig zu betrachten. Mit einer Körpergröße von über einem Meter achtzig überragte er selbst Olaf. Die langen, durchtrainierten Beine steckten dabei in dermaßen gesundheitsschädlich engen Jeans, dass man befürchten musste, der Stoff platze gleich. Dazu trug er Biker Boots an den Füßen und eine schwarze Lederjacke über einem dunkelgrauen Oberteil.
So ausstaffiert ragte er schließlich vor ihr auf.
Das blauschwarze, schulterlange Haar umspielte zerzaust das selbstbewusst, gleichzeitig neugierig blickende Gesicht, welches jegliche Form von Akne oder Ähnlichem vermissen ließ. Einzig eine Narbe, die eine der Augenbrauen spaltete und sich ein Stück über den Wangenknochen zog, verhinderte den Perfektionismus des Antlitzes. Wobei insbesondere dieser Makel ihren Träger interessant machte.
Zumindest empfand Kim es so, während sie verdrossen dachte:
›Wie ungerecht, dass die Pubertät um ihn einen Bogen geschlagen hat! Oder schminkt der sich etwa?‹
Erschauerte jedoch gleichzeitig, da sie in seine Augen blickte, die einen Ausdruck innehatten, der schwer zu deuten war. Scheinbar erkannte er sie ebenso wenig, wie sie ihn wiedererkannt hätte, wenn er ihr zufällig auf der Straße begegnet wäre.
Olaf stellte sie erneut einander vor, wobei sich Ricks Züge minimal entspannten. Er brachte sogar so etwas Ähnliches wie ein Lächeln zustande.
Das erlosch allerdings schlagartig, da Kim herausplatzte: »Sag mal Olaf, habt ihr den kleinen Rico gegen eine erwachsene Ausgabe umgetauscht?«
Obwohl sie nur zu genau wusste, dass tatsächlich Ricardo vor ihr stand. Denn bei ihm hatte sich eines, im Gegensatz zum restlichen Äußeren, nicht verändern können: Die türkisfarbenen Augen, die es vermutlich in der Farbkonstelation eher selten gab.
»Sollen wir dich nach Hause begleiten?«, fragte Olaf schmunzelnd, nachdem ihre etwas zu indiskrete Frage, seinen Bruder sichtlich verärgerte.
Sie nickte verwirrt, wobei sie den grollenden Rick immer noch anstarrte. Der hob den Blick und raunte in einer leicht rauchigen, überhaupt nicht seinem Alter entsprechenden Stimme: »Wenn’s dir nichts ausmacht, fahr ich schon vor. Wir sehen uns.«
Kim fragte sich, ob er mit dem letzten Satz sie oder Olaf meinte und sie daher antworten sollte.
Es war jedoch ohnehin zu spät. Rick wandte sich bereits ab, und stolzierte davon, ohne die Zustimmung des Bruders abzuwarten.
Der sah sie fragend an: »Wollen wir?«
»Klar«, lächelte sie geistesabwesend, nachdem sie sich von Ricks Anblick losriss. Olaf holte daraufhin seinen fahrbaren Untersatz. Er schob ihn neben sich her, während sie sich auf den Weg zum Haus ihrer Großeltern machten. Hierbei redeten sie über vieles, vermieden aber ganz bewusst das Thema Rick.
Kaum am Ziel angekommen wollte Kims Begleiter wissen, ob sie am Nachmittag, mit ihm zum Treffen seiner Freundesclique käme. Diese traf sich in Waldenstätt, wie der nächstgrößere Ort hieß und wo er und Rick derzeit wohnten.
»Gerne. Allerdings besitzt mein Opa kein Auto und mit den Busverbindungen kenne ich mich nicht sonderlich aus. Kannst du mir damit helfen?« Kim verschwieg, dass sie glatt zu Fuß nach Waldenstätt getigert wäre, wenn sich dadurch die Chance bot, Olaf und… na Olaf eben, wieder zu sehen.
»Rick und ich holen dich ab«, bestimmte ihre Kurliebe.
Kim war einverstanden. Logo!
Daher machten sie aus, dass die Brüder sie um 15 Uhr in der Durchfahrtsstraße, hinter dem Grundstück ihrer Großeltern, abholten.
Dann stieg Olaf auf sein Mofa, was Kim daran erinnerte, dass Rick vorhin auf ein Motorrad geklettert war. Bei dessen Anblick es ihr erneut die Sprache verschlagen hatte, da ein Vierzehnjähriger, ihres Wissens nach, eine derart schwere Maschine nicht fahren durfte.
Ihren Großeltern erzählte sie beim Mittagessen, das sie am Nachmittag Freunde treffen wolle.
Wer diese seien, verschwieg sie ihnen allerdings. Oma Alma hätte ihre Enkelin ohnehin niemals mit zwei älteren Bengels, erst recht nicht auf einem Motorrad wegfahren lassen. (Für sie waren übrigens alle zweirädrigen Maschinen Motorräder. Vom Mofa angefangen!)
So ermahnte sie Kim lediglich, vorsichtig im Straßenverkehr zu sein. Schließlich passierte heutzutage so viel.
Daher verließ Kim um Punkt fünfzehn Uhr nachmittags über die Terrasse das Haus.
Sie ging durch den dahinter gelegenen Garten hoch zur Straße, wo nur wenig später die Turattiebrüder auftauchten.
Olaf trug seine bevorzugte Jeans-Kleidung. Mal abgesehen vom Nierengurt, den Motorradhandschuhen und einem Helm.
Rick dagegen war komplett in schwarzem Leder gekleidet, wobei eine verspiegelte Sonnenbrille die einmalige Augenfarbe verdeckte.
So sehr diese Augen Kim gefielen, um so mehr missfiel ihr der Rest von ihm. Auch wenn er alles andere als hässlich aussah. Ehrlicherweise musste sie zugeben, Ricardo sah mittlerweile unverschämt gut aus. Aber das schien er nur zu genau zu wissen. Zumal er nicht mit Reizen geizte, wie zum Beispiel jetzt in dem hautengen Lederdress. Sie stellte sich daher lebhaft vor, dass er trotz der erst vierzehneinhalb Lenze schon zu genüge Erfahrungen mit Mädchen gesammelt hatte.
›Bestimmt laufen die ihm scharenweise hinterher und er hält sich deshalb für den Allergrößten.‹
›Wenn ich erst einmal richtig groß bin, werde ich denen schon Dampf unterm Hintern machen!‹, fielen ihr hierbei seine damaligen Worte aus der Kinderkur ein. Allerdings hatte sie diese zu dem Zeitpunkt in einem völlig anderen Zusammenhang gesehen.
›Nun, größer ist er jetzt ja. Und wie.‹
Doch ansonsten entsprach er allem, was Kim verabscheute.
Zum Beispiel frühreife Schönlinge, die mit Gefühlen spielten und sich für den Nabel der Welt hielten. Solche Machos konnten es absolut nicht nachvollziehen, wenn ein Mädchen bei ihren Anblick nicht zugleich seufzend in ihre Arme sank.
Genau dieses wenig schmeichelhafte Bild, hatte Kim damals von Rick. Sie war das, was sie ursprünglich an einem Menschen noch mehr ablehnte: Voreingenommen!
Gleichwohl, sie traf zum allerersten Mal in ihrem Leben auf einen Charakter, der sie verwirrte.
Doch zurück zum damaligen Ausflug. …
Wenn Kim bei ihren Großeltern blieb, richtete sie sich weder darauf ein, irgendwelche Wahnsinnsausflüge zu machen, noch aufregenden Boys über den Weg zu laufen. Geschweige denn, sich mit ihnen zu verabreden. Eversdorf ist zwar ein nettes Städtchen, jedoch Freunde hatte Kimberly dort kaum. Zumal es in unmittelbarer Nähe keine weiteren Kinder in ihrem Alter gab. Deshalb hatte sie sich auf ein paar erholsame Wochen eingestellt, die sie bisher mit Lesen, Zeichnen, sowie dem Fernsehprogramm verbracht hatte. Und jetzt das.
Sie hatte ihre Anziehsachen von hinten bis vorne durchgewühlt. Aber Fehlanzeige. Außer einer Jeanslatzhose, die sie mit einem Tuch, anstelle des Gürtels aufpeppte und einem kunterbunten Sweatshirt war sie auf nichts Passendes gestoßen, in dem man sich auf die Piste wagen konnte. Wohl oder übel machte sie sich letztendlich in diesen Sachen auf den Weg und kam sich absolut kindlich darin vor, derart aufgestylt vor den Jungen zu stehen.
Zu ihrem Ärger bemerkte sie, den belustigten Blick, den Rick ihr zuwarf, nachdem er die Sonnenbrille kurzzeitig abnahm, um diese zu säubern.
Olaf, auf dessen Maschine sie klettern wollte, verbesserte die Situation nicht.
Er murmelte verlegen: »Äh du, macht es dir viel aus, wenn du bei Rick mitfährst? Weil … weißt du, bevor wir zur Clique fahren, hole ich meine Freundin Sarah ab und … na, ja.«
»Versteh schon«, würgte Kim hervor. Sie versuchte, krampfhaft zu lächeln, denn der Schock saß. Dass Olaf eine Freundin haben könnte, daran hatte sie keinen Gedanken verschwendet. Für sie stellte er halt immer noch ihren käfersammelnden Kurehemann dar.
›Aber aus ihm ist schließlich ein niedlicher Typ geworden. Die Girls wären blind, wenn denen das nicht auffiele!‹
»Was ist jetzt, können wir endlich abrauschen? Wir sind eh schon unpünktlich, weil wir hier Taxi spielen«, unterbrach Ricks ungeduldige Stimme ihre Gedankengänge.
Kim nahm mit verärgertem Blick den Helm entgegen, den er ihr reichte. Mit gemischten Gefühlen kletterte sie danach hinter ihn auf die Maschine. Hierbei ignorierte sie seine Aufforderung, sich an ihm festzuhalten. Stattdessen versuchte sie, am Sozius Halt zu finden. So war es nicht verwunderlich, dass sie beinah einen Satz abwärts drehte, nachdem er rasant anfuhr. Ängstlich klammerte sie sich daraufhin an ihm fest, denn er fuhr echt wie ein Henker.
Drei Kreuze und ein Stoßgebet später, welches sie gen Himmel schickte, hielten sie endlich vor einem eleganten Einfamilienhaus.
Vorsichtig öffnete sie die Augen, die sie bei der wilden Fahrt krampfhaft geschlossen gehalten hatte.
Ein bildhübsches Mädchen mit hüftlangen Locken, um die sie es gleich beneidete, kam aus dem Haus gesaust. Es lief auf Olaf zu und begrüßte ihn mit einem stürmischen Kuss, während sie Rick nur kurz zuwinkte.
Kim riss sich vom Anblick des Pärchens los. Beim Umdrehen sah sie geradewegs abermals in Ricks Traumaugen, da der die Sonnenbrille erneut abgenommen hatte und einen Schulterblick in ihre Richtung riskierte. War in seinem Blick nicht ein Funken Freundlichkeit, geschweige denn Mitgefühl, zu lesen? So, als wüsste er, was in ihr vorging? Oder täuschte sie sich?
Sie sollte es nie erfahren, da er bereits die Brille zurück auf die Nasenwurzel schob, sich umdrehte und den Motor in Gang warf.
›Halleluja! Neue Todesängste!‹
Diese Fahrt ging zum Glück zügiger vorbei und auch nicht in so einem halsbrecherischen Tempo. Zumal sie sich mittlerweile inmitten des Stadtkerns von Waldenstätt befanden. Da musste Rick zwangsläufig die Geschwindigkeit drosseln. Zudem kam Olaf auf dem Mofa ohnehin kaum hinterher. Wobei dessen Zweirad bestimmt frisiert worden war, wie Kim annahm. Ansonsten hätte er nicht den Hauch einer Chance, um mit dem Motorrad mitzuhalten.
Die beiden Brüder lenkten ihre Maschinen auf die Fußgängerzone zu. Während Olaf und Sarah außerhalb parkten, rollte Rick direkt in die verkehrsberuhigte Zone, was ihm einige wütende Blicke von Passanten einbrachte. Die er jedoch tunlichst ignorierte. Genauer gesagt rollten sie in die Nähe eines Brunnens. Dort hatte sich eine Horde wüst aussehender Biker versammelt.
Kim wurde mulmig zumute.
›Das sind hoffentlich nicht Olafs und Ricardos Freunde?‹
Anscheinend aber doch, denn einige der Rocker hoben grüßend die Hand in Ricks Richtung.
Schon nach Olafs Ankündigung, er sei vergeben, hatten Kim deutliche Zweifel beschlichen, ob es vernünftig sei, mitzukommen. Jedoch bei dem Anblick, der sich ihr momentan bot, vertrat sie die Meinung, den Fehler ihres Lebens begangen zu haben. Besser noch, sie hätte zu Hause bleiben sollen.
›Oh, Gott, wohin bist du verschleppt worden?‹
Sie saß wie erstarrt da, als sie die bedrohlich wirkenden Typen in ihren schweren Lederoutfits, samt Kutten und Nietenbeschlag erblickte.
Abermals riss Ricks dunkle Stimme, sie aus ihren Gedanken.
»Hey, willst du nicht endlich vom Bock absteigen, oder denkst du, ich will darauf festwachsen?«, fragte er sie liebenswürdig.
›Blödmann!‹, dachte sie, kletterte jedoch von der Maschine.
Zunächst stand sie etwas unschlüssig da und ließ ihre Blicke kreisen.
Den Mittelpunkt der Rockermeute bildete ein hochgewachsener, dünner Kerl, Anfang zwanzig, mit weißblondem Haar. Er saß auf einem gewaltigen Stein neben dem Brunnen, eine Dunkelhaarige auf dem Schoß und eine Getränkedose in einer Hand. Während er mit der anderen selbstvergessen die Taille des Mädchens streichelte. Über den Rand einer getönten Sonnenbrille hinweg, schielte er in ihre Richtung. Zunächst nahm er noch einen Schluck aus der Dose, bevor er die Neuankömmlinge mit lautem Hallo begrüßte.
Dann entdeckte er Kim neben Rick und grölte ihm lachend entgegen: »Was ist denn mit dir los, Casanova? Hast du jetzt schon alle durch und beginnst wieder mit den Mädels aus dem Kindergarten?«
Grölendes Gelächter folgte auf diese Aussage.
Kim kochte vor enttäuschter Wut und im nächsten Moment waren daher sämtliche elterlichen Warnungen im punkto ›brutaler Rocker‹ vergessen.
»Na, wenn ich deine Vorstellung vom Kindergarten bin, dann hast du es wohl gerade geschafft dem Grundschulalter zu entspringen, bevor die Intelligenz dich einholte?«, machte sie den siebzehnjährigen Stefan, genannt Schimmel, an.
Nach dieser Bemerkung ihrerseits verstummten die anderen und starrten sie entgeistert an.
Jedoch Schimmel grinste nur. »Man oh man, Rick. Dein Küken hat ja richtig Haare auf den Zähnen. Ich nehm´ alles zurück.«
Er winkte Kim mit einem fordernden: »Komm mal her!«, heran.
»Nö«, erwiderte sie trotzig. Damit hatte sie es endgültig erreicht, die ungeteilte Aufmerksamkeit der anderen auf sich zu lenken.
»Hey, du sollst herkommen. Ich hab´ kein Bock hier herumzuschreien, wie ein Volldepp«, befahl Schimmel. Seine soeben noch belustigte Stimme nahm hierbei an Schärfe zu.
»Zwingt dich ja niemand, dich wie einer zu verhalten?«, kam postwendend Kims freche Antwort. Wobei ihr das Herz allerdings bis zum Halse klopfte.
Schon in der Vergangenheit war ihr ihre vorlaute Klappe des Öfteren zum Verhängnis geworden. Wurde sie jedoch wütend, vergaß sie alle Vorsicht.
Das Girl auf Schimmels Schoß sprang aufgeschreckt hoch, da er sich wutentbrannt erhob.
»Hör mal zu, du Göre, ich bin hier der Boss und jedes Würstchen, das zu unserer Truppe gehören will, hat meinen Anweisungen zu folgen. Ist das angekommen, oder brauchst du es schriftlich?«, knurrte er finster, wobei er nähertrat.
Kim sah mulmig auf, als sich der Rockerboss zur vollen Größe von knapp einem Meter neunzig vor ihr aufbaute. Dennoch gab sie betont frech zur Antwort: »Wer sagt denn, dass ich zu Angebern dazugehören möchte? Ich wäre überhaupt nicht hier, wenn ich gewusst hätte, wo man mich hinbringt.«
Schimmel stand nun kurz vor einer Explosion, so dass Olaf Kim rasch zu Hilfe eilte.
Schützend stellte er sich vor sie. »Hey Schimm, sie gehört zu mir. Wir kennen uns noch aus der Kinderkur und haben uns zufällig heute Vormittag getroffen. Glaub mir, sie ist in Ordnung. Ihr … ihr alle habt sie vermutlich nur verunsichert!«
Olafs sanfte Stimme schien wie Balsam auf die derzeitige Stimmung des Rocker-Bosses zu wirken, denn Schimmels Gesichtszüge entspannten sichtlich.
»Na, ausnahmsweise darf dein kleiner Kurschatten bleiben, aber sie soll mit den saublöden Sprüchen aufhören, ansonsten kann sie sich verziehen. Verunsicherung hin oder her«, knurrte er und kehrte zurück zu seinem angestammten Sitzplatz.
Kim verbiss sich eine spitze Erwiderung – von wegen, wer angefangen habe, blöde Sprüche zu reißen. Stattdessen dankte sie Olaf und nahm auf den Rand des Brunnens Platz. Wobei sie tatsächlich mit ihrer Verunsicherung kämpfte. Sie wusste nicht so recht, was sie jetzt machen sollte. Eigentlich wollte sie nach wie vor am liebsten verschwinden, andererseits war ihre Neugier geweckt.
Olaf kehrte zu seiner Freundin zurück. Derweil ließ Rick sich neben Kim nieder und sah sie abschätzend von der Seite her an.
Sie blickte ihm direkt ins Gesicht und streckte ihm hiernach die Zunge heraus.
Erstaunt zog er die Augenbrauen hoch, grinste allerdings.
Missmutig wandte sie sich wieder nach vorne. Genau in dem Augenblick, wo sie zu ihrem Leidwesen beobachten durfte, wie Olaf mit seiner Freundin herumknutschte.
Sie seufzte! Und es musste ein lauter Seufzer gewesen sein, denn im darauffolgenden Moment umschlangen sie kräftige Arme.
Feste, sinnliche Lippen pressten sich nach einem feixenden: »Kannst du auch haben!«, fordernd auf ihren Mund.
Eine Duftwolke süßlich herbes Aftershave, vermischt mit dem Geruch von Leder, schlug ihr entgegen.
Erschreckt stieß sie ihren Angreifer von sich und vernahm ein lautes Platschen, dem kurz darauf Gelächter folgte.
Wie von der Tarantel gestochen sprang sie auf. Sie hatte Rick volles Karacho in den Brunnen geschubst.
Stinksauer, mit einem Blick, der töten könnte, kletterte er heraus. Pitschnass von oben bis unten. Immer noch lachten alle, die diese Aktion mitverfolgen durften. Auch Schimmel und Olaf.
»Du verklemmte Ziege, spinnst du?«, schnauzte indessen Rick Kim an.
Seine Augen schienen blaugrüne Funken zu sprühen, währenddessen er verächtlich hervorstieß: »Man, wegen so einem harmlosen Mitleidskuss führst du dich auf, als hätte ich dir sonst was angetan!«
In ihrem Hirn hallten seine Worte bitter nach.
›Mitleidskuss? … So ein arroganter Arsch!‹
»Ich will sofort nach Hause«, brüllte sie ihn daraufhin – am gesamten Leib zitternd – an.
»Dann hau doch ab«, schrie er zurück und fügte hinzu: »Es hält dich keiner auf. Ist schließlich ein freies Land. Oder denkst du etwa, ich gondle dich jetzt Richtung Everdorf und riskiere dabei `ne Lungenentzündung?«
Tränen schossen ihr in die Augen. Das sollte also der Nachmittag sein, auf den sie sich so gefreut hatte.
›Aber heulen vor denen? … Nie im Leben!‹ ...