LEANDRA LOW 0
Bücher & Leseproben

SEELENLOS – Wenn Licht und Dunkelheit aufeinandertreffen

(Bitte beachtet, dass die hier enthaltenen Leseproben auf der Website anders dargestellt werden, als in den Büchern!)

Neun Bände. Zwei Mächte. Und unzählige Schicksale dazwischen.
Licht gegen Dunkelheit. Gut gegen Böse. Klingt nach einer klassischen Fantasygeschichte? Nun ja … nicht ganz! 😉
Natürlich bildet der ewige Kampf zwischen den Mächten des Lichts und der Finsternis den roten Faden meiner neunteiligen Fantasyreihe SEELENLOS.
Doch während sich Engel, Elfen, Dämonen und andere außergewöhnliche Wesen mit ihrem Schicksal herumschlagen, spielt sich das eigentlich Spannende oft ganz woanders ab: in ihren Freundschaften, ihrer Liebe, ihren Geheimnissen und all den kleinen und großen Katastrophen, die das Zusammenleben so herrlich kompliziert machen.

Denn selbst unsterbliche Wesen sind vor sehr menschlichen Problemen nicht gefeit. Und manchmal ist ein gebrochenes Herz gefährlicher als das schärfste Schwert.
Willkommen in einer Welt, in der nicht alles Licht gut und nicht jede Dunkelheit böse ist.

Viel Vergnügen beim Entdecken, Eure Leandra Low.

Neun Bücher, unzählige Geschichten – und möglichst wenig Spoiler!
Wie fasst man rund 400 Seiten voller Abenteuer, Intrigen, Gefühle und überraschender Wendungen in ein paar Sätzen zusammen, ohne gleich die halbe Handlung zu verraten? Gar nicht so einfach, glaubt mir! 😂
Trotzdem habe ich es gewagt und für jeden Band eine kleine Inhaltsübersicht zusammengestellt. Dabei konzentriere ich mich bewusst auf die wichtigsten Ereignisse. Die vielen Nebenhandlungen, überraschenden Begegnungen und Geheimnisse dürfen schließlich erst beim Lesen entdeckt werden. Also, blättert euch durch die einzelnen Bände und lasst euch neugierig machen!
Aber Vorsicht: Wer einmal in die Welt von SEELENLOS eintaucht, findet vielleicht nicht so schnell wieder hinaus.😉

BAND 01 DIE ENGELSSUCHE

Eine rätselhafte Prophezeiung. Ein Krieg, der zwei Welten bedroht. Und ein Elfenkaiser, dessen Entscheidungen über das Schicksal vieler bestimmen werden.

Albian van DeBeladore, Kaiser des Elfenvolkes auf dem Planeten Altania, steht vor einer gewaltigen Herausforderung. Um den Frieden seines Volkes zu bewahren, muss er eine folgenschwere Prophezeiung erfüllen: Eine noch zu erwählende Frau soll ihm einen Sohn schenken, der ohne Seele geboren wird. Doch welche Bedeutung dieses Kind für die Zukunft haben wird, bleibt zunächst ein Geheimnis. Gleichzeitig wächst die Bedrohung durch die Dämonen, deren finstere Pläne nicht nur Altania, sondern auch die Erde gefährden. Um ihnen entgegenzutreten, begibt sich Albian auf eine außergewöhnliche Mission: Er will durch die verschiedenen Epochen der Menschheitsgeschichte reisen und jene Krieger finden, die eines Tages als Engel an seiner Seite kämpfen sollen. Doch dafür benötigt er einen mächtigen Dimensionenschlüssel – und ausgerechnet seine Feinde sind im Besitz dieses kostbaren Artefakts. Als ihm eine geheimnisvolle Halbvampirin ihre Hilfe anbietet, scheint die Lösung zum Greifen nah. Allerdings hat ihre Unterstützung einen Preis … Während Albian versucht, die Weichen für die Zukunft zu stellen, rüsten sich seine Gegner längst für einen Krieg, dessen Ausmaß noch niemand erahnt. Zumal das größte Schicksal oftmals mit einer einzigen Entscheidung beginnt …

LESEPROBE AUS BAND EINS – Aus dem Kapitel: »Im Hort der Vampire!«

Eine uralte Prophezeiung führt den jungen Elfenkaiser Albian van DeBeladore auf eine gefährliche Mission. Um seine Welt vor dem Untergang zu bewahren, muss er in die Menschenwelt reisen und dort nach außergewöhnlichen Kriegern suchen.
Doch den Weg dorthin kann ihm ausgerechnet Vladimahr von Greeween, der mächtige Herrscher der Vampire ebnen, da er das entsprechende Artefakt besitzt. Aber Vlad ist alles andere als ein Freund des Lichtvolkes …

Gegen Mittag erreichten Albian und seine Begleitung endlich den Hort der Vampire.
Sie schienen erwartet worden zu sein, denn das riesige Tor öffnete sich über einem Graben, in dem eine übel riechende Brühe blubberte.
Wenig später standen Stute und Reiter innerhalb der Mauern der Vampirfeste.
Compar war nervös. Sie spürte, wie bluthungrige Blicke sie und ihren Begleiter verschlangen.
Albian hingegen bemerkte vor allem die neugierigen Blicke einer jungen Frau mit rabenschwarzem Haar, die in einiger Entfernung stand und ihn mit großen, dunklen Augen anstarrte.
»Zu wem wollt Ihr, Elf?« Die Verachtung, die in der fragenden Stimme des Gromuls mitschwang, war kaum zu überhören.
Albian ließ sich davon nicht beirren und antwortete mit fester Stimme: »Ich wünsche, euren Herrn, Vladimahr von Greeween, zu sprechen. Ich habe ein persönliches Anliegen und bedarf seiner Hilfe.«
»Folgt mir!«, forderte der Gromul ihn auf.
Albian tat dies ohne Zögern, nachdem er Compar mit einem leichten Klaps zu verstehen gegeben hatte, dass er ihre Hilfe vorerst nicht mehr benötigte und sie sich daher lieber in Sicherheit bringen sollte. Was diese auch in gewohnter Weise tat, bevor die Gromuls auf die Idee kamen, sie auf den Speiseplan ihrer Herren zu setzen.
Noch ehe ein Wimpernschlag verstrichen war, stieß sich die Pegasusstute vom Boden ab und schoss flügelschlagend wie ein Pfeil dem Himmel entgegen, in dessen dichter Wolkendecke sie augenblicklich verschwand.
Kein noch so flinker Gromul wäre dazu in der Lage gewesen, mit seiner Flugbestie die Verfolgung aufzunehmen. Compar war viel zu schnell. Und auch dies war einer der Gründe gewesen, warum der junge Elfenkaiser sie als Begleitung erwählt hatte.
Während die Gromuldiener noch ungläubig den Abgang des Pegasus mit Blicken verfolgten, stand Albian bereits vor Vladimahr und verneigte sich höflich.
»Erhebt Euch Albian van DeBeladore. Genug der Ehrerbietung!«, forderte der Anführer der Vampire ihn auf und musste sich ein Grinsen verkneifen, als er Albians erstaunten Gesichtsausdruck sah.
»Ihr wundert Euch, warum ich weiß, wer Ihr seid? – Nun, dass Ihr ein Elf seid, ist ja nicht zu übersehen. Aber nur ein Mann Eures Standes hätte die Courage, oder sollte ich es besser Größenwahn nennen, die Festung der Vampire ohne Schutz zu betreten. Das Einzige, was ich nicht weiß, ist der Grund Eures selbstmörderischen Kommens. Also lasst mich nicht länger im Ungewissen.«
»Vlad, ich erbitte Eure Hilfe. Nur Ihr könnt mir zeigen, wie ich den Eingang zum Dimensionentunnel der Menschenwelt finde. Mein Auftrag gebietet es mir, in deren Welt zu reisen, um dort nach geeigneten Kriegern Ausschau zu halten, die mir im Kampfe gegen die dunklen Mächte zur Seite stehen. Nur mit ihrer Hilfe ist es mir möglich, Altania und all seine Bewohner vor Unheil zu bewahren.«
»Oh, und Ihr denkt tatsächlich, ich würde Euch helfen?«
»Ganz recht, genau das denke ich.«
»Aber wenn ich Euch helfe, bringe ich mein eigenes Volk in Gefahr, denn immerhin sind auch wir Anhänger der dunklen Mächte. Oder wie seht Ihr das, … mein … Kaiser?«
»Das mag wohl stimmen, aber die dunklen Mächte, von denen ich spreche, werden nach ihrem Sieg auch Euer Volk vernichten, wenn wir nichts dagegen unternehmen. Sie würden niemals die Nähe eines ebenbürtigen Gegners dulden. Daher bitte ich Euch inständig Vlad, um der Sicherheit Eures Volkes willens, helft mir.«
»Darüber, … über eine eventuelle Vernichtung meiner Art, mache ich mir ehrlich gesagt keine großen Sorgen. Wir Vampire sind von jeher Meister im Überleben und ich denke, dass wir uns mit den kommenden Mächten schon irgendwie arrangieren werden.«
»Aber Vlad, das kann nicht Euer Ernst sein!« Albian konnte seine Bestürzung nur schwer verbergen.
Vladimahr stand mit einer schnellen Bewegung dicht vor dem Elf, während er ihm voll unterdrückter Genugtuung entgegen spie: »Oh doch Majestät, das ist mein voller Ernst! Ich ersuche Euch daher, zu gehen, da es wohl nichts mehr gibt, was wir zu bereden hätten. Und Ihr tut gut daran, dies gleich zu tun. Ich habe keinerlei Lust auf lästige Unannehmlichkeiten, wenn ich Euch beseitigen ließe. Aber trotz meines Einflusses und Eures Standes kann ich nicht für Eure Sicherheit garantieren, wenn Ihr länger bleibt. Lebt daher wohl!«
Vladimahr wandte sich um und machte Anstalten den Raum zu verlassen, als …
»Väterchen Vladi, willst du mir deinen Gast nicht vorstellen?«
Die junge Frau, die Albian schon vorhin aufgefallen war, hatte unbemerkt von ihm und Vlad den Raum betreten.
Neugierig fixierte sie Albian und ihr Blick maß jeden Zentimeter seines Körpers.
Ob das die Frau ist, von der Vater sprach?, dachte Albian bei sich und seine Vermutung wurde auch sogleich bestätigt, als sich Vladimahr verärgert in die Richtung seiner Urenkelin drehte.
»Sharadan, ich habe dir schon hundertmal gesagt, dass du mich nicht stören sollst, wenn ich mich in einer geschäftlichen Unterhaltung befinde.«
»Aber liebstes Väterchen, das habe ich doch gar nicht. Ich wartete, bis ihr eure Unterhaltung beendet hattet, bevor ich mich an dich wandte.« Mit unschuldigem Augenaufschlag lächelte Sharadan Vlad an und entlockte damit Albian ein Schmunzeln.
Zumal er sehr wohl bemerkte, dass sein Vater in Bezug auf Sharadans Einfluss auf ihren Urgroßvater richtig gelegen hatte.
Der eben noch so feindlich gestimmte Vampir schmolz angesichts der Zuneigung zur Enkelin dahin, wie Eis in der Sonne.
Vlad schüttelte unwillig den Kopf. »Du bist unmöglich, Kind. Aber um deine Neugier zu befriedigen.«
Er wies mit einer achtlosen Handbewegung auf Albian.
»Dies ist Eure kaiserliche Hoheit, Albian van DeBeladore, und er war gerade im Begriff zu gehen. … Nicht wahr Majestät?«
Ein böses Lächeln umspielte erneut Vlads Mundwinkel, als er sich fragend an Albian wandte. Ehe es Albian jedoch möglich war zu antworten, sagte Sharadan: »Ich aber habe nicht das Gefühl, als wenn unser edler Gast schon gehen möchte. Ich denke, er würde sich gern ausruhen, bevor er die Heimreise antritt. Und da es die Höflichkeit der Gastfreundschaft gebietet, einem Reisenden Erholung zu gewähren, möchte ich Euch bitten, verehrte Majestät, meine Einladung zu einem Abendessen anzunehmen.«
Vlad unterdrückte bei diesem Angebot seine Wut nur mühsam. Er schwor sich, später mit Sharadan ein ernstes Wörtchen zu reden.
Wie konnte sie es wagen, ihn derart zu brüskieren?
Albian verneigte sich vor Sharadan. »Habt vielen Dank Madame. Selbstverständlich nehme ich Eure Einladung mit Freuden an. Nichts Schöneres könnte ich mir vorstellen, als die Gesellschaft einer derart bezaubernden Gastgeberin zu genießen.«
Seine warme Stimme umschmeichelte Sharadan, die sich errötend umdrehte und ihren Urgroßvater, um Verständnis bittend, flehentlich ansah.
Diesen durchzuckte ein beängstigender Gedanke. Irrte er sich, oder hatte seine Urenkelin sich etwa in den von ihm verhassten Elfenkaiser verliebt.
Ein Blick in ihre Augen bestätigte seine Befürchtung.
Sharadan hatte ihr Herz längst verloren. Ihr weißer Ritter war endlich erschienen. …

BAND 02 ZEITREISEN

Albians Suche nach zukünftigen Engelkriegern trägt erste Früchte. Doch der geheimnisvolle Zeitschlüssel hält eine unangenehme Überraschung bereit: Er spürt nicht nur Anwärter für die Seite des Lichts auf, sondern auch mächtige Verbündete der Dunkelheit.
Während Albian und seine Begleiterin durch die Epochen der Menschheitsgeschichte reisen, verfolgt ein Feuerdämon längst sein Ziel: das Kind der Prophezeiung zu finden, dessen Schicksal über den Ausgang des bevorstehenden Krieges entscheiden könnte.
Und plötzlich wird aus der Suche nach Verbündeten ein gefährlicher Wettlauf zwischen Licht und Dunkelheit …

LESEPROBE AUS BAND ZWEI – Aus dem Kapitel: »Rot wie Blut!«

Arizona, 1982.
Romeo ist Rockmusiker, Harleyfahrer und alles andere als ein Kind von Traurigkeit. Doch nach einer langen Fahrt möchte er eigentlich nur eines: ein kühles Bier und seine wohlverdiente Ruhe.
Ausgerechnet in einer heruntergekommenen Bikerkneipe gerät er jedoch an Männer, die offenbar unbedingt Streit suchen.

Was sie nicht ahnen: Sie haben sich den denkbar falschen Gegner ausgesucht …

Irgendwo in Arizona 14. Juli 1982,
22:03 Uhr örtlicher Zeit:

Man konnte kaum die Hand vor Augen sehen, so verqualmt war der düstere Schuppen, den Romeo betreten hatte. Er fühlte sich ausgelaugt und kaputt. Aber vor allem durstig.
Schon seit vielen Stunden war er auf seiner Harley unterwegs gewesen und sehnte sich einfach nur nach Ruhe. Der Weg war auch nicht mehr allzu weit, als dass er ein schlechtes Gewissen haben müsste, wenn er jetzt eine Pause einlegte.
Romeo unterschied sich rein äußerlich wenig von den übrigen Gästen dieser Bikerkneipe. Außer, dass sein attraktives Gesicht, im Gegensatz zu den Visagen der Anwesenden, eher dazu diente, den Frauen Seufzer, anstelle von Desinteresse, zu entlocken. Sie liebten die maskulinen Gesichtszüge, die hellbraunen, sanften Augen und die vollen Lippen, welche momentan von einem gepflegten Vollbart umgeben waren. Obwohl Romeo es vorzog, anstatt mit seinem Aussehen, mit seiner Musik Gefühle freizusetzen.
Er hatte eine wahnsinnig sexy, dunkle Stimme und verdiente sich in diversen Rockschuppen seinen Unterhalt als Sänger und das nicht einmal schlecht. Wenn man mal davon absah, dass er Ärger magisch anzog, so wie er Girls gern auszog.
Der Zusammenhang zwischen Feindseligkeit und Romeos Frauenbekanntschaften lag zumeist darin, dass es eben überwiegend Ladys waren, die schon lästige Anhängsel hatten. Welche wiederum dann der Meinung waren, sie müssten Romeos hübsches Antlitz überarbeiten.
Nun, das hingegen erwies sich als besonders schwierig, wenn nicht sogar schier unmöglich. Denn Romeo war kein normaler Mensch. Er war ein Dämon und ein äußerst gefährlicher obendrein. Im Moment allerdings war er ein ziemlich müder Dämon, der einfach nur sein Bier trinken und relaxen wollte.
Er lehnte sich entspannt zurück, nachdem er sich eine selbst gedrehte Zigarette angesteckt hatte. Dabei wippte er mit den Spitzen seiner Bikerstiefel zum harten Beat der dröhnenden Rockmusik mit. Seine Aufmerksamkeit wurde jedoch erregt, als sich durch den Kunstnebelschleier, der durch den Raum waberte, ein Streit zwischen einem Bär von einem Mann und einer zierlichen Frau abzeichnete.
Der Typ hatte anscheinend versucht, die Frau anzubaggern und diese hatte ihm daraufhin, nach mehrmaliger gescheiterter Abfuhr ihrerseits, ihr Getränk über den Kopf gekippt. Was ihn natürlich nicht sonderlich freute, zumal seine Kumpels in höhnisches Gelächter ausbrachen.
Jetzt versuchte er gerade, die Frau davon zu überzeugen, dass sie keine andere Wahl hätte, als sich auf ihn einzulassen und dabei ging er nicht zimperlich mit ihr um.
Romeo seufzte genervt. Konnte man denn nicht einmal in Ruhe ein Bier trinken?
Er erhob sich und bahnte sich einen Weg durch die gaffende Menge. In eben die Richtung, wo der Riese mit seinen gierigen Flossen momentan die junge Frau auf dem Holztisch, an dem sie zuvor mit einer Freundin gesessen hatte, festnagelte. Hierbei wollte er sich mit dem klobigen Körper zwischen ihre Beine schieben.
Romeo, der, was Körpergröße und Masse anging, dem Burschen nicht unähnlich war, wenn man davon absah, dass es echte Muskeln waren, die den rotblonden Dämon zierten, während der andere seine Figur eher vom Gerstensaft hatte formen lassen, trat hinter den Kerl und fasste ihn hart bei der Schulter. Er zog ihn von der verängstigt kreischenden Frau fort, drehte ihn zu sich um und verpasste ihm einen kräftigen Schlag gegen sein schwabbeliges Doppelkinn.
Der Typ fiel um wie ein Sandsack. Wobei er eine ganze Menge Staub aufwirbelte, als er auf den bierdurchtränkten Dielenboden krachte. Während er noch ungläubig darüber war, dass es einer gewagt hatte, ihn anzugreifen, zu Romeo hoch schielte und sich das schmerzende Kinn rieb, zog dieser die Frau auf die Beine. Dabei versuchte er ihren dankbaren, anhimmelnden Blicken auszuweichen.
»Alles wieder in Ordnung?«, fragte er und sie erschauerte wohlig beim Klang der angenehmen Stimme.
Sie war so verwirrt, so dass sie nur nicken konnte.
»Na, dann ist ja gut«, sagte er noch und wollte sich abwenden, um zurück zu dem Tisch zu gehen, wo noch sein Bier auf ihn wartete.
»Bitte warten Sie.« Sie umklammerte seinen Oberarm und zuckte überrascht zusammen, als sie stählerne Bizeps unter dem Ärmel des Flanellhemdes ertastete. »Ich konnte mich ja noch gar nicht für Ihre Hilfe bedanken.«
Romeo sah sie kurz an, befreite sich danach aus ihrem Griff und zwang sich zu einem belanglosen Lächeln: »Schon gut, Kleine. Ich habe nicht viel übrig für Kerle, die eine Frau grundlos belästigen.«
Das Letzte, was Romeo heute gebrauchen konnte, war eine Tussi, die ihm auf der Pelle hing. Auch wenn er sonst kein Kostverächter war, so stand ihm im Moment einfach nicht der Sinn nach weiblichem Anhang.
Das Mädchen schien das jedoch anders zu sehen. Sie schnappte sich ihre Jacke, gab ihrer Freundin mit einem Kopfnicken zu verstehen, dass sie mitkommen sollte, und folgte Romeo auf dem Fuße.
Währenddessen hatte sich der ungewollte Verehrer der jungen Frau, die sich Romeo als Susanna vorstellte, von dessen gezielten Schlag wieder erholt. Er rappelte sich mit Hilfe zweier Kumpel auf, kurz, nachdem Susanna sich mit ihrer Freundin Stephanie ungefragt an Romeos Tisch niedergelassen hatte. Stinkwütend blickte er sich um, entdeckte seinen Angreifer und begab sich ebenfalls in Romeos Richtung.
Der sah den vorprogrammierten Ärger und verfluchte sein voreiliges Eingreifen bereits zum zweiten Mal.
Wie ein wütender Stier trat der Kerl an Romeos Tisch. Er packte das Möbelstück, nachdem die beiden Frauen fluchtartig ihre Plätze verließen, und schleuderte es mit einer einzigen Bewegung zur Seite, so als sei es aus Pappe.
Romeo blieb seelenruhig auf dem Stuhl sitzen, die langen Beine gemütlich ausgestreckt und sah eher gelangweilt zu dem schnaubenden Gesellen empor. Während er zuvor noch seine Bierflasche in Sicherheit gebracht hatte, welche er jetzt ansetzte und trank.
Der Mann, mit Namen Carlos, fegte Romeo die Flasche aus der Hand. Danach griff er mit beiden Händen nach dem Kragen seines Hemdes, um den anscheinend lebensmüden Fremden daran hoch zu zerren.
Der befreite sich mit stählernem Handgriff mühelos aus seinen Fängen, sprang auf und wiederum machte Carlos Bekanntschaft mit dem Erdboden, da Romeo ihn derbe schubste.
»Hör zu, du aufgeblasene Arschgeige, wenn du unbedingt auf Ärger aus bist, such dir den bitte für den heutigen Abend bei jemand anderen. Ich habe keinen Bock da drauf. Ich will hier nur in Ruhe mein Bier trinken und mich einen Moment ausruhen. Okay?« Mit diesen Worten reichte er dem am Boden liegenden Carlos sogar die Hand, um ihm aufzuhelfen. Der jedoch schlug sie aufgebracht beiseite und rief nach seinen Freunden, die auch sofort herbeieilten.
Ehe Romeo noch richtig wusste, wie ihm geschah, standen zwei der bulligen Biker neben ihm. Wobei sich jeder einen von Romeos Armen griff und ihn festhielt, während Carlos sich abermals hochrappelte.
Romeo stöhnte erneut gelangweilt auf: »Jungs echt, ihr macht einen verdammt dummen Fehler. Glaubt mir, ich kann äußerst unangenehm werden, wenn ich schlechte Laune kriege. Also tut mir, und vor allem eurer Gesundheit, einen enormen Gefallen und lasst mich besser los.«
»Du spuckst ganz schön große Töne, du Wichser. Aber warte nur, bis wir mit dir fertig sind, dann sehen wir ja, wessen Laune schlechter ist«, grölte Carlos und spuckte Romeo einen gelblichen Speichelklecks ins Gesicht.
Dessen Blick wurde daraufhin abgrundtief finster, als er antwortete: »Ich warne dich zum letzten Mal, Fettsack. Du und deine Kumpels, lasst mich in Ruhe, oder ihr werdet den kommenden Tag nicht mehr erleben.«
»Soll das etwa `ne Drohung sein?«, zischte Carlos und stierte Romeo hasserfüllt an.
»Keine Drohung. Ein Versprechen«, war die tiefdunkle, grollende Antwort. Wobei Carlos zugeben musste, dass allein schon der Tonfall von Romeos Stimme ihm eine Gänsehaut bescherte. Zumal der Typ anscheinend null Angst vor ihm hatte und das war ihm bisher noch nie untergekommen.

BAND 03 DIE RÜCKKEHR

Albians Suche nach den zukünftigen Engelkriegern ist erfolgreich – doch zwei persönliche Schicksalsschläge überschatten seine Heimkehr.
Kaum zurück auf Altania, muss sich der Elfenkaiser bereits seiner nächsten Aufgabe stellen: Er soll in der Welt der Menschen ein Kind zeugen, dessen Seele eines Tages mit dem Körper seines seelenlos geborenen Elfensohnes verschmelzen wird.
Aus dieser ungewöhnlichen Verbindung soll der dreizehnte Krieger hervorgehen. Doch anders als die übrigen Kämpfer wird dieser selbst entscheiden müssen, welcher Seite er seine Treue schenkt.
Dem Licht oder der Dunkelheit?
Und damit könnte ausgerechnet Albians eigener Sohn das Schicksal beider Welten besiegeln …

LESEPROBE AUS BAND DREI – Aus dem Kapitel: »Verluste«

Frankreich, 1790.

Auf seiner Suche nach zukünftigen Engelkriegern durchquert der Elfenkaiser Albian nicht nur fremde Welten, sondern auch die unterschiedlichsten Epochen der Menschheitsgeschichte.
Eine dieser Reisen führt Albian und seine bereits gefundenen Mitstreiter ins Frankreich des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Doch der Elfenkaiser ist schwer erkrankt, und seine Gefährten setzen alles daran, ihm zu helfen.
Während ihre ganze Aufmerksamkeit seiner Genesung gilt, begegnet der junge Edelmann Renaldo D’Arbo dem geheimnisvollen Julien DeLacoeur.
Zwischen den beiden entwickelt sich eine leidenschaftliche Liebe. Doch Julien trägt ein Geheimnis mit sich, das ihre gemeinsame Zukunft für immer verändern könnte.
Als er sich seinem Geliebten schließlich offenbart, stellt er Renaldo vor eine Entscheidung von ungeheurer Tragweite …

„Träge zeichnete er gerade mit dem Zeigefinger Kreise auf dessen haarloser Brust, als ihm der nachdenkliche Blick seines schönen Geliebten auffiel.“
»Woran denkst du?«, fragte er daher, wobei er die Fingerkuppen zärtlich tiefer gleiten ließ.
»Daran, dass ich nicht länger allein sein will«, war die traurig klingende Antwort.
Renaldo richtete sich auf: »Allein? Aber du bist doch nicht allein. Du hast doch jetzt mich.«
Julien lachte bitter auf: »Ja. Noch.«
Renaldo blickte ihn verstört an: »Was meinst du damit? Noch? Glaubst du etwa, ich würde dich schon morgen aufgeben? … Julien, ich liebe dich. So sehr, wie ich noch nie zuvor für einen Menschen empfunden habe.«
Julien sah ihn an und strich ihm eine widerspenstige Strähne aus den dunklen Augen: »Eben mein Schöner, so wie du noch nie für einen Menschen gefühlt hast. Und genau das … das ist der Irrtum, dem du unterliegst.«
»Worüber zur Hölle sprichst du da?« Renaldos Stimme hatte nun einen leicht verärgerten Unterton angenommen, während er Juliens Hand wegschob.
»Jetzt bist du wütend auf mich, nicht wahr?«
»Julien, bitte … ich will nicht wütend auf dich sein. Ich will verstehen, was du mit deinen kryptischen Worten meinst.«
Julien atmete tief durch und stand dann auf: »Wenn ich es dir erzähle, wirst du es mir ohnehin nicht glauben.«
»Versuch es doch einfach«, schlug Renaldo vor und sah ihn auffordernd an.
»Also gut. Aber ich habe dich gewarnt.« Julien seufzte. Er atmete nochmals tief ein, bevor er weitersprach.
»Wie alt schätzt du mich?«, fragte er Renaldo.
Der blickte ihn verwundert an. Mit solch profaner Frage hatte er nicht gerechnet, trotzdem antwortet er: »Nun, ich denke, du bist so zwei bis drei Jahre älter als ich. So in etwa 25. Aber wieso, ist das so wichtig?«
Julian lächelte gequält: »Ich bin 109 Jahre alt, wenn man vom Tage meiner Geburt an weiterrechnet. Ich wurde im November des Jahres 1681 geboren und eigentlich im August 1708 getötet. Damals war ich sechsundzwanzig. Von da an bin ich körperlich nicht mehr gealtert, jedoch was die geistige Reife angeht, so nehme ich es wohl mit jedem weiseren Herren ohne Weiteres auf.«
Renaldo starrte ihn sprachlos an, so dass Julian sich genötigt sah fortzufahren: »Meine Hauptnahrungsquelle ist, seit meinem Todestag, frisches Blut. Am besten von einem Menschen und noch besser freiwillig Gegebenes. So etwas wie mich bezeichnet man in der Mythologie als Vampyr, wobei ich vehement gegen die lächerlichen Mutmaßungen des Allgemeinbürgers ankämpfe. Es stimmt zwar, dass ich das direkte Sonnenlicht zuweilen meide und Knoblauch wegen des penetranten Geruches verabscheue. Anderseits könnte ich mir die körperliche Pflege ohne Zuhilfenahme eines Spiegels nur schwer vorstellen und Kreuze halte ich für eine äußerst attraktive Schmuckform. Zudem liebe ich Kirchen, wenn auch eher aus rein baustilistischen Gründen und ich käme wohl genauso wenig auf die Idee Weihwasser zu trinken, wie jeder Normalsterbliche.« Erneut blickte er Renaldo an, wobei sich ein ungewohnt scheues Lächeln auf seine Lippen stahl.
Renaldo hingegen starrte ihn immer noch argwöhnisch an, während er sich wohl unschlüssig war, ob Julien scherzte, oder ob diese unglaubliche Offenbarung tatsächlich dessen voller Ernst sein sollte.
Julien schien seine Zweifel zu ahnen, denn sein Lächeln erlosch und sein Blick wurde eindringlich: »Ich mache keine Witze, Renaldo. Ich bin ein Vampyr. Und ich hätte dir mein Geheimnis niemals verraten, wenn du mir nicht mittlerweile wichtiger als mein eigenes Leben geworden wärest. Du kannst dich jetzt von mir abwenden und mich verfluchen, oder du akzeptierst, was ich bin und nimmst das entgegen, was ich dir anzubieten gedenke.«
»Was da wäre?«, krächzte Renaldo, der seine Stimme inzwischen wieder gefunden hatte.
»Die Unsterblichkeit«, war Juliens schlichte Antwort, wobei er ihm mit einer lasziven Geste die Hand entgegenstreckte.

BAND 04 DÄMONISCHE SPIELE

Das Kind der Prophezeiung lebt ahnungslos unter den Menschen – und weiß nicht, dass ihm die Dämonen bereits gefährlich nahe gekommen sind.
Während seine Verfolger einer heißen Spur nachgehen, finden sie auch ihren letzten noch fehlenden Krieger. Dessen geheimnisvolles Blutopfer löst auf Altania im Hort der Engel unerwartete Ereignisse aus: Gefühle geraten außer Kontrolle, verborgene Zusammenhänge kommen ans Licht und so manches Herz schlägt plötzlich schneller.
Auch die Elfe Mylandra steht vor einer schicksalhaften Wendung. Sie erfährt die Wahrheit über ihre Herkunft – und verliebt sich ausgerechnet in einen Mann, der für sie unerreichbar scheint.
Während die Dämonen ihre Fäden ziehen, geraten nicht nur die Pläne der Engel, sondern auch ihre Herzen gehörig durcheinander …

BAND 05 FLUCHT INS UNGEWISSE

Während das Opfer des letzten Dämonenkriegers endlich seine große Liebe findet, scheint auch für Mylandra ein lang gehegter Traum in Erfüllung zu gehen. Doch das erhoffte Glück erweist sich als trügerisch – und aus einem wunderschönen Traum könnte erschreckend schnell ein Albtraum werden.
Unterdessen macht sich Albians Menschensohn auf die Suche nach seinem Vater. Doch statt Antworten zu finden, gerät er ausgerechnet in die Fänge seiner Feinde.
Unerwarteten Schutz erhält er von einem Krieger der Dunkelheit, der in dem Jungen mehr zu erkennen scheint als seine Gefährten. Doch um zu überleben, muss sich Galimar auf eine folgenschwere Vereinbarung einlassen.
Eine Vereinbarung, die sein Leben für immer verändern wird …

BAND 06 DER VERLORENE SOHN

Zwischen Albians Menschensohn und seinem dämonischen Beschützer entwickelt sich eine ebenso leidenschaftliche wie widersprüchliche Verbindung. Doch was die beiden zunehmend aneinander bindet, stößt bei den Gefährten des Dämons auf wenig Gegenliebe.
Während die Spannungen wachsen und die Fronten sich verhärten, steuern die Ereignisse unaufhaltsam auf eine Katastrophe zu.
Und als schließlich eine erschütternde Wahrheit ans Licht kommt, ist nichts mehr, wie es einmal war …

BAND 07 BRÜDER DES LICHTS

Nach langen Jahren der Trennung kann Elfenkaiser Albian endlich seinen Menschensohn in die Arme schließen. Doch die Freude über das Wiedersehen wird von der Sorge um dessen Sicherheit überschattet.
Ein Engel erhält den Auftrag, den jungen Mann zu beschützen. Doch diese Aufgabe erweist sich als weitaus schwieriger als erwartet.
Während Intrigen, Missverständnisse und Verrat die Gemeinschaft zunehmend erschüttern, braut sich eine Katastrophe zusammen, auf die niemand vorbereitet ist.
Denn die größte Gefahr geht nicht immer von Feinden aus, sondern von jenen, denen man vertraut …

BAND 08 EMOTIONEN

Auf Altania bereiten sich die Völker auf die unausweichliche Schlacht zwischen Licht und Dunkelheit vor. Doch während sich die feindlichen Heere formieren, werden die erbittertsten Kämpfe ganz woanders ausgetragen: in den Herzen der Beteiligten.
Alte Gefühle erwachen, neue Leidenschaften entflammen und längst überwunden geglaubte Konflikte brechen erneut auf. Dabei geraten nicht nur Freundschaften und Beziehungen, sondern auch so manche Loyalität ins Wanken.
Für manche ist es anscheinend leichter, einem Feind gegenüberzutreten, als den eigenen Gefühlen …

BAND 09 KÄMPFENDE HERZEN

Neun Bände voller Liebe, Intrigen, Hoffnung und Verrat führen schließlich zu jener Entscheidung, auf die alles hinausläuft: der letzten großen Schlacht zwischen Licht und Dunkelheit.
Doch während sich die Gegner zum alles entscheidenden Kampf gegenüberstehen, werden nicht nur Waffen, sondern auch Herzen auf eine harte Probe gestellt. Und eines ist gewiss: Nicht jeder wird diesen Krieg überleben.
Wird das Licht über die Dunkelheit triumphieren? Oder fordert der Kampf am Ende einen so hohen Preis, dass es überhaupt keine Sieger mehr gibt?
Nun … das müsst ihr schon selbst herausfinden! 😉

DIE FOREVER YOURS, RICK – REIHE!

Forever yours, Rick – Band 01 – »Maskenspiel!«

Ricardo, von allen nur Rick genannt, ist laut, rebellisch und selten um einen frechen Spruch verlegen. Kim dagegen gehört zu den Menschen, die lieber beobachten, statt sich in den Mittelpunkt zu drängen. Zwei völlig unterschiedliche Charaktere, die dennoch mehr verbindet, als sie zunächst ahnen.
Zwischen Rockmusik, einer eingeschworenen Freundesclique und jeder Menge Gefühlschaos entwickelt sich eine Geschichte über erste Liebe, Freundschaft und das schwierige Spiel mit der Wahrheit.
Doch hinter Ricks selbstbewusster Fassade verbergen sich Geheimnisse, die alles verändern könnten.
Zumal es beizeiten mehr Mut erfordert, seine Maske fallen zu lassen, als gegen die ganze Welt zu rebellieren …

LESEPROBE AUS BAND EINS – Aus dem Kapitel: »Welche Prinzessin hat den Frosch geküsst?«

März 1987.
Jahre nach ihrem gemeinsamen Kuraufenthalt begegnet die zwölfjährige Kim zufällig zwei alten Bekannten: Olaf und dessen jüngerem Bruder Ricardo, der inzwischen nur noch Rick genannt wird.
Doch während sie Olaf sofort wiedererkennt, traut sie beim Anblick seines Bruders kaum ihren Augen. Aus dem einstigen kleinen, pummeligen Ricardo ist ein auffallend attraktiver, selbstbewusster Teenager geworden. Allerdings scheint sein gutes Aussehen mit einer gehörigen Portion Arroganz einherzugehen – zumindest ist Kim davon überzeugt.
Als die Brüder sie zu einem Treffen mit ihren Freunden mitnehmen, ahnt sie noch nicht, dass dieser Nachmittag eine ziemlich unerwartete Wendung nehmen wird …

Sie rollten in die Nähe eines Brunnens, wo sich eine Horde wüst aussehender Biker versammelt hatte.
Kim wurde noch mulmiger zumute.
›Hoffentlich sind das nicht Olafs und Ricardos Freunde.‹
Anscheinend doch, denn einige der Rocker hoben grüßend die Hand in Ricks Richtung.
Schon nach Olafs Ankündigung, er sei vergeben, hatten Kim deutliche Zweifel beschlichen, ob es vernünftig gewesen war, mitzukommen. Doch nun, beim Anblick der bedrohlich wirkenden Typen in schweren Lederoutfits, samt Kutten und Nietenbeschlag, befürchtete sie, den Fehler ihres Lebens begangen zu haben.
›Oh Gott, wohin bist du verschleppt worden? Wäre ich bloß zu Hause geblieben.‹
Sie saß wie erstarrt da und abermals riss Ricks dunkle Stimme sie aus ihren Gedanken.
»Hey, willst du nicht endlich vom Bock absteigen, oder denkst du, ich will darauf festwachsen?«, fragte er sie ›liebenswürdig‹.
›Blödmann!‹, dachte sie, kletterte jedoch runter.
Zunächst stand sie unschlüssig herum und ließ ihre Blicke kreisen.
Den Mittelpunkt der Rockermeute bildete ein hochgewachsener, dünner Kerl, Anfang zwanzig, mit weißblondem Haar. Er saß auf einem gewaltigen Stein neben dem Brunnen, eine Dunkelhaarige auf dem Schoß und eine Getränkedose in einer Hand. Während er mit der anderen selbstvergessen die Taille des Mädchens streichelte.
Über den Rand einer getönten Sonnenbrille hinweg schielte er in ihre Richtung, nahm noch einen Schluck aus der Dose und begrüßte hiernach die Neuankömmlinge mit lautem Hallo.
Als er Kim neben Rick entdeckte, rief er ihm lachend entgegen: »Was ist denn mit dir los, Casanova? Hast du jetzt schon alle durch und beginnst wieder mit den Mädels aus dem Kindergarten?«
Grölendes Gelächter folgte auf diese Aussage.
Kim kochte vor enttäuschter Wut.
Im nächsten Moment waren sämtliche Warnungen im puncto ›brutaler Rocker‹ vergessen.
»Na, wenn ich deine Vorstellung vom Kindergarten bin, dann hast du es wohl gerade geschafft, dem Grundschulalter zu entspringen, bevor die Intelligenz dich einholte?«, machte sie den weißblonden Biker an.
Nach dieser Bemerkung ihrerseits verstummten die anderen und starrten sie entgeistert an. Jedoch der Typ grinste: »Mann, oh Mann, Rick. Dein Küken hat ja richtig Haare auf den Zähnen. Ich nehm´ alles zurück.«
Er winkte Kim mit einem fordernden: »Komm mal her!«, heran.
»Nö«, erwiderte sie trotzig.
Damit hatte sie endgültig die ungeteilte Aufmerksamkeit der anderen auf sich gelenkt.
»Hey, du sollst herkommen. Ich hab´ keinen Bock hier herumzuschreien, wie ein Volldepp«, befahl ›Schneehaar‹. Seine soeben noch belustigte Stimme nahm hierbei an Schärfe zu.
»Zwingt dich ja niemand, dich wie einer zu verhalten«, kam postwendend Kims freche Antwort. Wobei ihr das Herz allerdings bis zum Halse klopfte.
Schon in der Vergangenheit war ihr ihre vorlaute Klappe des Öfteren zum Verhängnis geworden. Wurde sie jedoch wütend, vergaß sie alle Vorsicht.
Das Girl auf dem Schoß des Rockers sprang erschreckt hoch, da er wutentbrannt aufstand.
»Hör mal zu, du Göre, ich bin hier der Boss und jedes Würstchen, das zu unserer Truppe gehören will, hat meinen Anweisungen zu folgen. Ist das angekommen oder brauchst du es schriftlich?«, knurrte er finster, wobei er nähertrat.
Kim sah mulmig auf, als sich der selbsternannte Rockerboss zur vollen Größe von knapp einem Meter neunzig vor ihr aufbaute. Dennoch gab sie betont frech zur Antwort: »Wer sagt denn, dass ich zu Angebern dazugehören möchte? Ich wäre überhaupt nicht hier, wenn ich gewusst hätte, wo man mich hinbringt.«
Der junge Mann vor ihr stand kurz vor einer Explosion, das konnte jeder erkennen. Olaf eilte Kim daher rasch zu Hilfe. Schützend stellte er sich vor sie. Hierbei erklärte er dem erzürnten Rockerboss die Sachlage.
»Hey Schimmel, sie gehört zu mir. Wir kennen uns noch aus der Kinderkur und haben uns zufällig heute Vormittag getroffen. Glaub mir, sie ist in Ordnung. Ihr … ihr alle habt sie vermutlich nur verunsichert!«
›Schimmel?‹, gluckste Kimberly innerlich. ›Wie ein Gaul sieht der ja nicht gerade aus!‹ Sie entschied aber, dass es für sie gesünder war, ihre Gedanken für sich zu behalten.
Zumal Olafs sanfte Stimme wie Balsam auf die derzeitige Stimmung des Rocker-Bosses wirkte, denn die Gesichtszüge dieses Schimmels entspannten sichtlich.
»Na, ausnahmsweise darf dein kleiner Kurschatten bleiben, aber sie soll mit den saublöden Sprüchen aufhören, ansonsten kann sie sich verziehen. Verunsicherung hin oder her«, knurrte er und kehrte zurück zu seinem angestammten Sitzplatz.
Kim verbiss sich eine spitze Erwiderung – von wegen, ›wer angefangen habe, blöde Sprüche zu reißen.‹
Stattdessen dankte sie Olaf und nahm auf den Rand des Brunnens Platz. Wobei sie tatsächlich mit ihrer Verunsicherung kämpfte.
Sie wusste nicht, was sie jetzt machen sollte. Am liebsten wollte sie verschwinden, andererseits war ihre Neugier geweckt.
Olaf kehrte zu seiner Freundin zurück. Derweil ließ Rick sich neben Kim nieder und sah sie abschätzend von der Seite her an.
›Was glotzt der denn so?‹
Sie blickte ihm direkt ins Gesicht und streckte ihm die Zunge heraus.
Erstaunt zog er die Augenbrauen hoch und grinste dann.
Missmutig wandte sie sich wieder nach vorne. Genau in dem Augenblick, wo sie zu ihrem Leidwesen beobachten ›durfte‹, wie Olaf mit seiner Freundin herumknutschte.
Sie seufzte! Und es musste ein lauter Seufzer gewesen sein, denn im darauffolgenden Moment umschlangen sie kräftige Arme.
»Kannst du auch haben!«
Eine Duftwolke süßlich-herbes Aftershave, vermischt mit dem Geruch von Leder, schlug ihr entgegen, bevor sich feste, sinnliche Lippen fordernd auf ihren Mund pressten.
Erschreckt stieß sie ihren Angreifer von sich und vernahm ein lautes Platschen, dem kurz darauf Gelächter folgte.
Wie von der Tarantel gestochen sprang sie auf.
Sie hatte Rick volles Karacho in den Brunnen geschubst.
Stinksauer, mit einem Blick, der töten könnte, kletterte er heraus. Pitschnass von oben bis unten.
Immer noch lachten alle, die diese Aktion mitverfolgen durften. Auch Schimmel und Olaf.
»Du verklemmte Ziege, spinnst du?«, schnauzte indessen Rick Kim an.
Seine Augen schienen blaugrüne Funken zu sprühen, währenddessen er verächtlich hervorstieß: »Mann, wegen so einem harmlosen Mitleidskuss führst du dich auf, als hätte ich dir sonst was angetan!«
›Mitleidskuss? – So ein arroganter Arsch!‹, hämmerte es bitter in ihrem Hirn. Sie zitterte vor Wut.
»Ich will sofort nach Hause!«, brüllte sie ihn daraufhin an.
»Dann hau doch ab«, schrie er zurück und fügte hinzu: »Es hält dich keiner. Ist schließlich ein freies Land. Oder denkst du etwa, ich gondle dich jetzt Richtung Everdorf und riskiere dabei `ne Lungenentzündung?«
Tränen schossen ihr in die Augen. Das sollte also der Nachmittag sein, auf den sie sich so gefreut hatte.
›Aber heulen vor denen? … Nie im Leben!‹

Forever yours, Rick – Band 02 – »Wildes Blut«

LESEPROBE AUS BAND ZWEI – Aus dem Kapitel: »Falsche Wege!«

Oktober 1989.

Rick hat einen schweren Verlust erlitten. Der plötzliche Tod seiner Freundin hat ihn tief erschüttert und seine ohnehin komplizierte Gefühlswelt aus dem Gleichgewicht gebracht.
Um ihn auf andere Gedanken zu bringen, überreden seine Freunde ihn zu einem gemeinsamen Diskothekenbesuch. Rick lässt sich schließlich darauf ein, obwohl ihm eigentlich nicht nach Feiern zumute ist.
Als ihn dort eine attraktive Rothaarige anspricht, ahnt er nicht, dass dieser scheinbar harmlose Abend sein Leben auf dramatische Weise verändern wird …

Die rauchige Luft der Diskothek LOKAL Z hüllte die Körper, die sich im Takt der stampfenden Rhythmen bewegten, wie ein schwerer Schleier ein. Bunte Lichtkaskaden flackerten über der Tanzfläche, tauchten verschwitzte Gesichter in grelle Farben, während die Hitze der Menge Rick wie eine Welle traf.
Er lehnte sich zurück, beobachtete seine Freunde, die lachten, tanzten und das Leben feierten. Gleichzeitig spürte er diese bittersüße Mischung aus Erleichterung und Melancholie in sich aufsteigen. Heute Abend wollte er alles, was geschehen war, vergessen. Zumindest für ein paar Stunden. Auch wenn es innerlich in ihm düster aussah. Daher ignorierte er auch die Flirtversuche einer rassigen Rothaarigen, die mit ihren Freundinnen am Nebentisch hockte.
Der Unfalltod seiner Freundin hatte eine Lücke in seinem Herzen gerissen, die sich nicht einfach füllen ließ. Ohnehin war er fest davon überzeugt, dass er kein Glück in der Liebe haben sollte. Wenn, so schwor er sich, würde er vorerst nur oberflächliche Nähe zulassen, um die Leere zu übertünchen, die seine Freundin hinterlassen hatte.
Einzig der Gedanke, Kim könnte es sich anders überlegen, keimte wie ein zartes Pflänzchen in ihm und ließ ihn hoffen. Bis dahin …
›Falls es überhaupt jemals passiert!‹
»Hey, gibt es etwas, was ich tun kann, um deinen finsteren Blick zu vertreiben?«, unterbrach eine raue Frauenstimme seine Gedanken.
Irritiert blickte Rick hoch, direkt in die braunen Augen der Rothaarigen vom Nebentisch, die nun vor ihm stand.
Sie lachte entwaffnend. »Sorry, ich wollte dich nicht erschrecken!«
Ihre offene Art gefiel Rick, daher erwiderte er ihr Lächeln. »So schreckhaft bin ich nicht.«
»Dann schreckst du sicherlich auch nicht davor zurück, mit mir zu tanzen, oder?«, fuhr sie daher unbeirrt fort.
Rick wollte ablehnen und sie musste es ihm angesehen haben, denn sie fügte rasch hinzu: »Bitte gib mir keinen Korb. Es hat mich wirklich immens viel Mut gekostet, dich anzusprechen!«
»Wer bin ich, dass ich einer mutigen Frau solch bescheidenen Wunsch abschlage«, sagte Rick daraufhin, erhob sich und ließ sich von ihr in Richtung Tanzfläche mitziehen.
Auch ein Teil der Clique gesellte sich zu ihnen – wobei Rick die neugierigen Blicke seiner Freunde ignorierte, welche seine neue Begleitung abscannten.
Nach drei Liedern schmiegte sich die Rothaarige an ihn, um ihm ins Ohr zu rufen: »Ich habe Durst. Lass uns zur Bar gehen. Ich lade dich ein!«
Er nickte, denn auch seine Kehle war trocken. Die Luft um ihn herum war stickig und drückend, von Schweiß und dem Alkoholgeruch, der darin hing.
Daher folgte er Bettina, wie sich die Rothaarige ihm während des Tanzens vorgestellt hatte, bereitwillig.
»Du musst mich aber nicht einladen!«
»Wieso? Hast du damit ein Problem, weil ich eine Frau bin?«, entgegnete sie neckend.
Er zuckte mit den Schultern. »Kein Problem. Ich möchte nur ungern jemanden etwas schuldig bleiben. Aber wenn ich die nächste Runde übernehmen darf, werden wir uns einig!«
»Dagegen habe ich keine Einwände. Also, was möchtest du trinken?«
»Wasser, bitte.«
Sie zog erstaunt die Augenbrauen hoch. »Dein Ernst?«
Rick nickte. »Ich bin mit dem Motorrad hier und will daher nachher heil zuhause ankommen.«
Nachdem die beiden ihre Getränke erhalten hatten, waren sie alsbald in einem angeregten Gespräch verstrickt.
Rick fand Bettina nett, mehr aber auch nicht. Ihren körperlichen Annäherungen wich er daher geschickt aus. Als er hierbei ihre enttäuschten Blicke auffing, sah er sich gezwungen, eine Erklärung abzuliefern, da er sie nicht vor den Kopf stoßen wollte. »Entschuldige bitte, unter anderen Umständen wäre ich vermutlich nicht abgeneigt, aber meine Freundin ist erst vor kurzem tödlich verunglückt. Ich bin daher vorerst nicht auf Beziehungen aus. Egal, welcher Art. Der Verlust ist noch zu frisch!«
Bettina riss erschrocken die Augen auf. »Oh, das … das tut mir leid. Daher deine düstere Miene von vorhin. Und ich nahm schon an, ich sei nicht dein Typ.«
Er schüttelte traurig den Kopf, bevor er sagte: »Ich würde verstehen, wenn du dir andere Gesellschaft suchen möchtest. … Zumindest, nachdem ich dir den versprochenen Drink spendiert habe.«
Sie legte den Kopf leicht schief und grinste verschmitzt. »Wer sagt, dass ich das will? Du bist der heißeste Kerl in diesem Laden und außerdem kann man sich mit dir super unterhalten. Das reicht mir daher völlig aus. Vielleicht schaffe ich es ja, dich wenigstens heute Abend deine Trauer vergessen zu lassen.«
Rick war angenehm überrascht. »Na dann …« Er stieß mit ihr an, wobei sein Blick sich in Richtung seiner Freunde verirrte und an Schimmel hängen blieb. Sein Freund grinste ihn breit an und hielt augenzwinkernd einen Daumen hoch.
Rick verdrehte belustigt die Augen und winkte danach der Tresenkraft, um die zweite Runde zu bestellen.
Bettina schenkte ihm ein strahlendes Lächeln, als er das Glas vor ihr abstellte. Sie hatte in der Zwischenzeit einen freien Stehtisch mit Barhockern ergattert, auf welche die beiden sich niederließen, um mit ihrem Gespräch fortzufahren.
Um sie herum tobte das Leben und sie waren daher gezwungen, sich nah zueinander zu beugen, um sich zu verständigen.
»Weißt du, was ich ungewöhnlich finde?«, rief Bettina plötzlich aus und wischte hierbei mit einer fahrigen Handbewegung ihr Portemonnaie vom Tisch.
»Oje, ich Dussel«, kicherte sie und blickte Rick bittend an. »Wärst du so lieb?«
Er rutschte vom Barhocker und bückte sich nach der Börse, die unter Bettinas Stuhl gerutscht war.
»Kannst du bitte darauf achten, dass nichts rausgefallen ist? Das Teil schließt nicht mehr so richtig. Ich brauche unbedingt ein Neues!«, rief sie ihm zu.
Rick blickte sich suchend um, bevor er sich wieder erhob. »Also, ich kann nicht erkennen, ob da noch irgendwas liegt. Am besten du schaust mal nach, ob noch alles drin ist.« Er reichte ihr ihren Besitz und setzte sich auf seinen Hocker.
Bettina folgte seinem Rat, schüttelte aber schließlich den Kopf. »Nee, schein alles drin zu sein. Danke und Prost, du Gentleman«, strahlte sie ihn an und schob ihm sein Glas zu.
Rick griff danach und leerte es zur Hälfte. Die eiskalte Cola, die er diesmal bestellt hatte, rann wohltuend seine Kehle hinunter, doch der letzte Schluck ließ ihn innehalten. Ein seltsam bitterer Nachgeschmack legte sich auf seine Zunge. Er schüttelte sich kurz. Schob das ungute Gefühl auf die Hitze des Tanzens, doch ein leises Unbehagen blieb.
Etwas später wurde ihm schwindelig. Erst war es nur eine leichte Benommenheit. Dann flirrten die bunten Lichter. Schienen ihn zu verschlingen – seinen Körper durchdringen zu wollen und umschmeichelten streichelnd seine Haut. Sein Herz hämmerte und der Boden schwankte unter seinen Füßen.
»Ich … ich glaube, mir geht`s nicht so gut!«, stieß er hervor und erhob sich. Bettina sah ihn verwundert an.
Verstört stolperte er wie ein Seekranker auf seine Freunde zu, dicht gefolgt von Bettina.
»Ey, was ist los mit dir, Rick-Rock?« Schimmels Stimme klang besorgt, aber gleichzeitig, wie aus weiter Ferne. Er umfasste Ricks Schulter.
»Mir ist voll schlecht. Ich … ich glaub, ich muss kotzen«, keuchte Rick. Hastig machte er sich von Schimmel los und lief ungelenk Richtung Toiletten.
»Keine Sorge, ich kümmere mich um ihn. Er hat wohl den Drink zu schnell gekippt«, hörte er Bettinas Stimme hinter sich, doch er verdrängte sie, denn der Brechreiz wurde immer stärker.

Forever yours, Rick – Band 03 – »Schicksalsjahre«

LESEPROBE AUS BAND DREI – »Eine Sommerromanze«

September 1985.
Der dreizehnjährige Ricardo verbringt einen weiteren Sommer in Spanien. Am liebsten erkundet er mit seinem geliebten Hengst Diabolo die Umgebung und genießt die unbeschwerten Stunden an der Küste.
Bei einem seiner Strandausritte begegnet er der jungen Deutschen Manuela, die dort gemeinsam mit ihrer Freundin Urlaub macht. Die beiden teilen die Begeisterung für Pferde und finden schnell Gefallen aneinander.
Doch was als zufällige Begegnung an einem sonnigen Septembertag beginnt, könnte für Ricardo schon bald eine ganz besondere Bedeutung bekommen …

»Holá! Was für ein wunderschöner Hengst. Gehört er dir?«, sprach Manuela Ricardo an, der mit dem Rücken zu ihr stand.
›Hoffentlich versteht er überhaupt Deutsch, sodass ich nicht auf mein grottiges Spanisch zurückgreifen muss!‹, überlegte sie soeben, da drehte er sich um und sah sie fragend an.
Ihr wurde heiß und kalt zugleich.
›Himmel, was für ein Gesicht! Wenn der nicht als Modell arbeitet, fress ich ’nen Besen.‹
Die Sonne ließ sein pechschwarzes Haar in dunkelblauen Nuancen schimmern. Vom Wind zerzaust schrie es regelrecht danach, es zu berühren, um darin herumzuwühlen. Seine grünblauen Augen fixierten sie mit einem Ausdruck, der irgendwo zwischen Neugier und Zurückhaltung lag, während seine kantigen Gesichtszüge in perfektem Kontrast zu den sinnlich geschwungenen Lippen standen, die sich zu einem sanften Lächeln verzogen.
›Der hat einen fantastischen Kussmund!‹
Innerlich geriet sie ins Schwärmen und musste sich regelrecht zusammenreißen, um nicht die Fassung zu verlieren.
Sie hatte spontan entschieden, dass sie ihn unbedingt näher kennenlernen wollte. Obwohl sie gleichfalls erkannte, dass ihre Freundin mit ihrer Vermutung richtig lag. Er war allerhöchstens achtzehn.
Aber das störte sie nicht. Für einen Urlaubsflirt stellte es für sie kein Problem dar, wenn ihr Partner jünger war.

Ricardo musterte die bildhübsche Frau vor sich mit einem Hauch von Verwunderung, bevor sich ein sanftes Lächeln auf seine Lippen stahl.
»Ja, mujer guapa, er gehört zu mir. Es freut mich, dass er dir gefällt. Du kannst ihn gerne streicheln«, erwiderte er mit einem charmanten Akzent, der ihm einen zusätzlichen Hauch Exotik verlieh.
Manuela überkam eine Mischung aus Erleichterung und Überraschung, da er in einwandfreiem Deutsch antwortete. Doch es war nicht nur die Tatsache, dass sie sich ohne Sprachbarrieren verständigen konnten, die sie insgeheim aufatmen ließ, ebenso nicht das Kompliment, denn er hatte sie auf Spanisch schöne Frau genannt. Aber solche Schmeicheleien war sie gewohnt. Nein, es war seine Stimme. Tief, klar und reifer, als sie es erwartet hätte. Allein die Vorstellung, er hätte ihr mit piepsiger Kleinjungenstimme geantwortet, war ihr ein Gräuel gewesen.
Ricardos fragender Blick ließ sie kurz erröten. Sie bemerkte, dass sie ihn noch immer völlig unverhohlen anstarrte.
›Reiß dich zusammen, Manu!‹
Sie trat daher näher an das Pferd heran, um sein Angebot dankend anzunehmen. Dabei ignorierte sie die Giftpfeil-Blicke ihrer jüngeren Konkurrentinnen. Zumindest schienen diese wenig erbaut darüber, dass die neu hinzugekommene Frau Ricardos volle Aufmerksamkeit auf sich zog.
Vorsichtig hob Manuela die Hand und strich behutsam über den Hals des schwarzen Hengstes, der entspannt schnaubte. Sie sprach leise und beruhigend mit ihm, während Ricardo jede ihrer Bewegungen verfolgte und sie musterte.
Ihre rotbraunen Locken, die in der Sonne golden schimmerten, die fein geschnittenen Gesichtszüge, beherrscht von graugrünen Augen und die langen, eleganten Beine … alles an ihr wirkte anziehend auf ihn. Doch es war nicht ihr Äußeres, das er vorrangig faszinierend fand. Es war die Art, wie sie mit Diabolo umging. Sie behandelte sein Pferd nicht wie ein beliebiges Tier, sondern wie ein Wesen, das ihr Respekt und Zuneigung verdiente. Und das allein weckte in ihm Sympathie.
Zum ersten Mal in seinem Leben reizte eine Frau aber auch sein sexuelles Interesse. Zudem ließ sich an ihrem koketten Lächeln und dem gekonnten Augenaufschlag deutlich ablesen, dass sie gleichfalls nicht abgeneigt war, ihm näher zu kommen.
Warum? Darauf konnte er sich keinen Reim machen, aber es schmeichelte ihm. Obwohl es mittlerweile nicht ungewöhnlich für ihn war, dass ältere Mädchen seine Nähe suchten.
»Er heißt übrigens Diabolo und ich bin Ricardo. Verrätst du mir auch deinen Namen?«
Sie schmunzelte, bevor sie ihm zur Begrüßung die Hand entgegenstreckte: »Manuela. Freut mich, dich kennen zu lernen, Ricardo.« Sie drehte den Kopf in Diabolos Richtung. »Und dich natürlich auch, du schöner Teufel!«
Sowie Ricardo ihre Hand ergriff, durchfuhr sie beide ein merkwürdiges Kribbeln, als hätte ein unsichtbarer Funke zwischen ihnen gezündet. Für einen Moment hielten sie den Blick des jeweils anderen fest – ein Augenblick, der länger zu dauern schien, als es die Zeit erlauben sollte. Beide spürten eine seltsame Verbindung, die weder durch Worte noch durch Erklärungen greifbar war.
Ricardo kämpfte mit einem plötzlichen Wirrwarr an Empfindungen, denn das hier fühlte sich anders an als sonst. Irgendwie bedeutsamer. Vielleicht, weil Manuela nicht nur eine Schönheit war, die ihn anhimmelte, sondern jemand, der ihm das Gefühl gab, ernst genommen zu werden.
»Du scheinst eine echte Pferdenärrin zu sein«, sagte er, um das Gespräch fortzusetzen. »Reitest du selbst?«
Manuela seufzte. »Eigentlich ja, aber ich hatte vor ein paar Wochen einen Unfall und muss erst einmal aussetzen. Ich vermisse es jedoch schrecklich, im Sattel zu sitzen.«
Ricardo nickte verstehend. »Das klingt hart. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, längere Zeit nicht reiten zu dürfen. Diabolo ist für mich wie ein Teil von mir – ohne ihn würde etwas fehlen.«
Manuela beobachtete, wie seine Finger sanft durch die Mähne des Hengstes glitten, und in ihr wuchs die Gewissheit, dass dieser junge Mann eine besondere Geschichte hatte. Jemand, der mit so viel Liebe und Respekt von seinem Pferd sprach, musste mehr erlebt haben, als sein Alter vermuten ließ.
»Wie lange reitest du schon?«
Ricardo zuckte mit den Schultern. »Ungefähr zwei Jahre. Aber mit Diabolo hat mein Leben eine Bedeutung bekommen. Er ist mehr als nur ein Pferd für mich … er hat mir geholfen, mich selbst zu finden.«
Manuela konnte nicht anders. Der Ernst in seinen Worten beeindruckte sie. Ricardo war nicht nur unglaublich attraktiv, sondern zudem tiefgründig. Wie von allein schob sich ihre Hand gleichfalls in Diabolos Mähne und umschloss Ricardos Fingerglieder. Verdutzt sah er sie an und sie konnte den Blick nicht abwenden. Und plötzlich ertappte sie sich bei dem Gedanken, dass dieser vermeintliche Urlaubsflirt mehr werden könnte als bloß ein flüchtiges Abenteuer.

Ein plötzliches Fingerschnippen holte Manuela abrupt in die Realität zurück. Sie blinzelte verwirrt, da Gloria mit einem breiten Grinsen vor ihrem Gesicht herumfuchtelte.
Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie Ricardos Hand nach wie vor fest umklammert hielt – viel zu lange, als es bei einer normalen Berührung üblich war.
»Huhu, Erde an Rotfuchs! Bist du wieder gelandet oder schwebst du weiterhin in höheren Sphären?«, neckte Gloria, wobei sie einen amüsierten Seitenblick auf Ricardo warf. Dann trat sie einen Schritt vor und streckte ihm ebenfalls die Hand entgegen.
»Hallo Fremder. Darf ich mich kurz vorstellen? Ich bin Gloria, Manuelas beste Freundin und leider auch die Spielverderberin, die sie dir jetzt entführt.« Ihr Tonfall war unbeschwert, doch ihre Augen musterten Ricardo prüfend. »Aber falls du sie wiedersehen willst …« – sie warf ihm ein augenzwinkerndes Lächeln zu – »… wir gehen heute Abend in den Club Cuba Libre. Bis dahin, entschuldige uns, ja?«
Bevor Ricardo oder Manuela etwas einwenden konnten, zog Gloria Letztgenannte energisch am Arm mit sich.
»Hey! Was soll das denn jetzt?«, protestierte sie halbherzig, stolperte jedoch hinter ihrer Freundin her, unfähig, ihren Blick von Ricardo abzuwenden, der ihr mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck hinterher blickte. Nur einen Gedanken in ihrem Kopf:
›Was war das gerade für eine bizarre Situation?‹

Ricardo hatte das Gefühl, er könne die Berührung ihrer Hand immer noch auf seiner Haut spüren. Sein Kopf war voller Fragen. Diese Frau – Manuela – hatte eine merkwürdige Wirkung auf ihn, eine, die er sich nicht erklären konnte. Natürlich war sie faszinierend, aber das allein rechtfertigte nicht sein Gefühlschaos. Er empfand mehr als bloßes Interesse.
Ein Windstoß ließ Diabolos Mähne flattern, und Ricardo streichelte selbstvergessen den Hals seines Pferdes, während er die beiden Frauen beobachtete, die sich langsam vom Strand entfernten. Manuelas rotbraunes Haar leuchtete in der Sonne, und er ertappte sich bei dem Gedanken, dass er sie tatsächlich gern wiedersehen wollte.
›Cuba Libre also. … Warum eigentlich nicht?‹

Forever yours, Rick – Band 04 – »Ricks Tagebuch«

LESEPROBE AUS BAND VIER – Ein kleiner Einblick in Ricks Tagebuch

29. August 1987.
Rick ist nicht nur Musiker mit Leib und Seele, sondern besitzt auch eine gehörige Portion Humor. In seinen Tagebuchaufzeichnungen hält er – in seiner eigens für ihn gestalteten Handschrift – fest, was ihn bewegt, worüber er sich ärgert, was ihn zum Schmunzeln bringt oder worüber er sich auch mal gehörig auskotzen möchte.
Untermalt werden seine Aufzeichnungen von unzähligen kleinen, liebevoll gestalteten Illustrationen. Ganz so, wie man es sich von einem persönlichen Tagebuch vorstellt.*
Dass dabei gelegentlich auch seine Freunde ihr Fett wegbekommen, versteht sich fast von selbst.
Ein ganz gewöhnlicher Auftritt beim Stadtfest zeigt jedoch, dass Rick auch mit einem verletzten Bein seinen Charme nicht verliert …

*Die aufwendige Gestaltung mit Ricks Handschrift und den zahlreichen Illustrationen bleibt den gedruckten Ausgaben vorbehalten. Die spätere digitale Ausgabe kann diesen besonderen Bonus aus Speichergründen leider nicht bieten. Doch eines bleibt selbstverständlich erhalten: Ricks Witz und Charme. Versprochen!

SA: 29. August 1987

Stadtfestwochenende … und wir waren musikalisch abermals dabei. Spielten direkt vorm Rathaus. Spitzenplatz mit Spitzenmusik und Spitzenpublikum. War ein komisches Gefühl beim Singen zu sitzen, aber mein Bein ist noch nicht ausgeheilt. Daher hatte Schimmel dafür gesorgt, dass man mir einen Barhocker auf die Bühne stellte, bevor ich wie so eine fußlahme Bachstelze im Storchenstand da rumstand. 😉
Der Auftritt kam auf jeden Fall verdammt gut an und Konrad Dräger, einer der Veranstalter, hat uns direkt für das kommende Jahr vorgemerkt. Diesmal sogar im Abendprogramm. Denn aufgrund unseres Durchschnittsalters nahm er an, wir seien ›nur‹ eine Teenie-Band und hatte uns daher für den Nachmittag ins Programm genommen. War aber trotzdem rappelvoll und auch den Kiddies hat es gefallen.
Besonders eine niedliche Maus … ungefähr vier oder so … hampelte gutgelaunt direkt vor der Bühne rum, klatschte eifrig mit und drehte Pirouetten. Voll goldig. Hab sie in der Pause zu mir auf die Bühne geholt und die Kleine hat gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd, als sie auf meinem Schoß sitzen durfte.
Natürlich hagelte es wieder doofe Sprüche, aber das haben wir zwei meisterhaft ignoriert. Später hat sie dann leider in Tonlagen losgeheult, bei denen ich mich nicht gewundert hätte, Tinnitus zu kriegen. Krass, wie laut so ein kleiner Mensch werden kann. Sie sollte nämlich nach Hause und fand, dass ihre Eltern einfach die Schlimmsten der Welt sein mussten, da sie sie von ihrem Vorzugsplatz wegholen wollten.
Nach einem Bussi meinerseits war dann aber Ruhe und … jaaaaa, selbstverständlich erntete ich auch hierfür wieder dämliche Sprüche. So nach dem Motto: Ob ich mir schon die nächste Generation heranzüchte, die mir irgendwann nicht Windeln, sondern Schlüpfer an den Kopf wirft. Ha, ha, wie witzig! Die Jungs sind halt olle Neidhammel, weil ich so ein großartiger Frauenversteher bin. Aber Neid muss man sich eben verdienen.
GRINS. So long.

Forever yours, Rick.

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